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March 24 2014

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Friedemann Weise -- Eine kurze Geschichte der Zeit (2014)

March 23 2014

Things not to come

Es gab einige Dinge, von denen ich - und eigentlich alle Welt - zwischen den Siebzigern bis fast in die Neunziger hinein überzeugt waren, dass es sie bis zu Jahr 2000 geben wird. Hier die Liste der Dinge, die ich nicht mehr nur als etwas verspätet ansehe sondern von denen ich annehme, dass ich sie nicht einmal mehr erleben werde:

1. Kolonien auf dem Mars

Oder wenigstens auf dem Mond. Wobei der Mars tatsächlich wahrscheinlicher war - was will man denn auf dem Mond? Außer vielleicht Atomabfälle endlagern? Das war in den Siebzigern keine Frage ob, sondern nur die Frage, wann. Irgendwann hat sich die Idee, Menschen in den Weltrauf und auf andere Planeten zu schaffen, aber wieder völlig verflüchtigt.  Man hörte fast vollständig auf, hier Engagement zu zeigen und nur das Space Shuttle Programm war was Neues. Allerdings ist auch das schon Anfang der Achtziger mehr oder weniger stillgestanden, die Dinger haben einfach nur zwanzig Jahre lang Satelliten in die Umlaufbahn geschubst weil man sie halt noch hatte und wurden dann schließlich eingemottet als die Technik am Ende völlig veraltet war. Zumindest ist das mein Eindruck.

Mir ist allerdings auch klar, warum man da den Fokus änderte. Instrumente und Roboter sind nicht so leicht kaputtzubekommen wie Menschen. Außerdem muss man denen keine Häuser bauen, Nahrung mitgeben und sie überhaupt aufwändig am Leben halten.

Aber ich finde es schade, dass man von der Vision so sang und klanglos zurückgetreten ist. Es geht ja auch ein wenig um das Prinzip. Hätte man sowas gemeinsam geschafft, wäre das nicht nur ein technisches Kunststück gewesen sondern es hätte die Erde kleiner gemacht. Was uns allen gut getan hätte.

2. Saubere Energie

Das Thema, bei dem ich seit den Siebzigern immer wieder dachte "Ach, jetzt dann aber!". Die Ölkrisen 1973 und 1979, von denen mir vor allem zweitere sehr gut in Erinnerung ist, führten damals zu allen möglichen Diskussionen, wie man Energie erzeugt, ohne ständig Dinge zu verbrennen. Der saure Regen in den Achtzigern bestätigte die Dringlichkeit, von Kohle wegzukommen. Three Miles Island und später vor allem Chernobyl bestätigte, dass der Mensch die Atomkraft nicht kontrollieren kann.

Dann kamen sechzehn Jahre Helmut Kohl. Sechzehn Jahre kompletter Stillstand unter Regierungen, deren Wirtschaftsfreundlichkeit dazu führte, dass Deutschland in fast allen Zukunftstechnologien den Anschluss verpasste. Und in denen das Thema nachhaltige Energie komplett und mit voller Absicht stillgelegt wurde. Die Achziger und Neunziger unter Kohl waren ein deutscher Dämmerzustand. Dass Kohl Probleme durch "Aussitzen" löste war überall spürbar. Es erzeugte ein eigentlich völlig falsches Gefühl von Stabilität, auf das Wahl für Wahl zu viele Deutsche hereinfielen, als dass man irgendwas hätte ändern können.

Und wenn ich mir anschaue, wie momentan die "Energiewende" von politischer Seite aus möglichst unmöglich gemacht wird nur um irgendwann sagen zu können "Seht ihr, es geht nun mal nicht anders... ", sag ich "Dejá vu" und hake das Thema ab.

3. Keine unheilbaren Krankheiten

Ok, natürlich war allen auch schon in den Siebzigern klar, dass es das so nicht geben wird. Gemeint war, dass man medizinische Durchbrüche machen wird, die es der Menschheit erlauben wird, vormals tödliche Krankheiten wie Krebs zu heilen oder den Verfall im Alter zu verhindern. Das ist durchaus eine klare, rationale Erwartung gewesen. Das Vertrauen in die technische und medizinische Entwicklung war so groß. Allerdings kam dann AIDS und das war schon mal ein riesiger Dämpfer. Und es hörte nicht auf. Jede Menge Autoimmunkrankheiten, resistente Viren, mutierte Bakterien, Alzheimer... Anstatt das Leben immer beschwerdefreier wurde gab es plötzlich immer gefährlichere Krankheiten.

Wahrscheinlich stimmt das Bild so nicht. Wahrscheinlich können wir heute wesentlich mehr heilen als noch vor dreißig Jahren. Was man sich aber damals wünschte war das Gefühl, dass die Medizin das Leben spürbar ungefährlicher machen würde. Das ist nicht eingetroffen. Die Erwartung, den Körper einfach mal reparieren zu können wenn es ihn richtig übel erwischt hat - Krebs, Zuckerkrankheit, Gicht, Multiple Sklerose, Parkinson, Nierenversagen... - hat sich nicht erfüllt und inzwischen denke ich, das wird es auch nicht mehr tun.

4. Ganztagesschulen

Mal ab von den "ganz großen" Dingen, bei denen man sich zumindest noch einigermaßen erklären kann, warum es nicht hinhaute damit: Was mich wirklich völlig verblüfft ist, dass sich das Ganztagesschulsystem nicht durchgesetzt hat. Ich war von der neuten Klasse bis zum Abi auf einer Schule, in der grundsätzlich von halb neun morgens bis vier Uhr nachmittags reguläre Schulzeit war. Wer mitrechnen kann stellt fest: Das ist genau die Zeit, die man braucht, um schlicht die doppelte Menge an Zeit für dieselbe Menge Stoff zu vermitteln. Und so funktionierte das auch: Es gab einfach 90 statt 45 Minuten Unterricht für eine Fachstunde. Die Vorteile lagen auf der Hand. Weniger Stress, viel mehr Zeit, um in Ruhe alles erklärt zu bekommen und zu verstehen, viel mehr Zeit um Aufgaben und Methoden durchzuführen, die auch mal längere Zeit benötigten (Yay, Chemie-Experimente!) und vor allem: Sehr wenige Hausaufgaben.

Ich war mir damals 100% sicher, dass meine Kinder genau so eine Schule besuchen werden. Jetzt ist Sohn 1 schon längst aus der Schule und Sohn 2 braucht auch nicht mehr lang und beide haben genau dasselbe schrecklich ineffektive, die Lust auf Lernen und Wissen vernichtende, Eltern überfordernde Schulsystem durchlebt wie wir selbst vor über 20 Jahren. Und wenn ich sage, es hat sich nicht das Geringste getan dann übertreibe ich kein Bisschen, denn Sohn 2 hat letztes Jahr was als Schullektüre lesen müssen? Die Vorstadtkrokodile! Ein Buch, das die Realität von Jugendlichen im Jahr 1977 abbildet! Das war nicht nur noch vor der Atarikonsole geschweige denn dem C64, da gabs noch nicht mal Videorecorder!

Grundschüler lernen übrigens auch heute noch schreiben mit "Vater und Sohn" (1934-37) Bildergeschichten. Die Chance, dass sich bei so einem Schulsystem also irgendwann noch was zu meinen Lebzeiten tun wird hab ich daher abgeschrieben.

Das Einzige, das sich übrigens über jede Erwartung hinaus wie irre weiterentwickelt hat ist Unterhaltungstechnik.

Vielleicht sollte ich ein Stöckchen draus machen, mich interessiert brennend, ob ihr auch solche Dinge habt. Falls ihr also nen Blogartikel schreibt, schreibt mir das doch bitte in die Kommentare.

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March 11 2014

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David Bowie Perfect day screen test

March 10 2014

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February 24 2014

Die Süddeutsche und die Dämonisierung des Internet in Deutschland

Ich hoffe, ich muss nicht erklären, was genau an der Freitagskarikatur der Süddeutschen antisemitisch ist. Wenn doch, die Titanic hat das schon ganz gut erledigt. Dazu gibt es auch keine "Meinung". Die entsprechenden Kriterien werden erfüllt, also ist sie antisemtisch. Wer hierzu also unbedingt eine Meinung haben möchte, muss darüber diskutieren, ob antisemitsche Karikaturen in Ordnung gehen oder nicht. Viel Spaß dabei.

Warum mich die Sache aber heute beschäftigt ist, dass es ein weiteres - sehr krasses - Beispiel für einen sehr besonderen Umgang mit dem Internet in Deutschland ist.

Vorgestern kamen Oliver und ich im Gespräch darüber, wie man Ende der Achziger und in den frühen Neunzigern das Internet erlebt hat darauf, dass es in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern vergleichsweise wenige Menschen gibt, die die ersten Online-Phasen bewusst erlebt haben. Was schade ist, denn in dieser Zeit war jedem Nutzer klar, dass alles, was er im jeweiligen Netz, in den BBSen, in seiner Mailkommunikation oder in einem Board bzw in der Newsgroup tut, erstens für alle anderen Netzteilnehmer sichtbar ist und zweitens wenn etwas nicht direkt sichtbar ist, einem lediglich eine Berechtigung fehlte. Das wurde einem nämlich in diesen Fällen genau so gesagt. Und so wußte damals jeder: Es gibt Nutzer mit OP- und Adminrechten und die können alles sehen, was auf ihren Servern gespeichert wird. Wenn meine Mailbox hakte, rief ich daher beim Admin an und der löschte mir den kaputten Maileintrag, damit die Mailbox wieder funktionierte.

Als ich selbst bei einem Provider arbeitete, machte ich dasselbe bei unseren Kunden. Und ja, selbstverständlich konnte ich die Mails lesen. Und den Kunden, die anriefen um sich helfen zu lassen war das offensichtlich auch klar, denn keiner von ihnen hat sich darüber gewundert, wenn ich ihnen erklärte, woran es gelegen hat oder ihnen den noch lesbaren Teil der korrupten Mail zugeschickt habe. Mails sind Postkarten und jeder der sie auf dem Weg von Sender zu Empfänger weitergibt, kann sie lesen. Dieser Satz war 1995 der zweite Satz über E-Mails in jeder Internet-Schulung, die ich gegeben habe. Das Internet kennt technisch keine Privatsphäre.

Die magische Ikonografie des Internet

Das alles aber haben offensichtlich nicht viele Menschen gelernt. Kein Wunder, denn als das Internet in Deutschland einzog, hatte es schon eine Oberfläche, die den Nutzer von dieser Art von Erkenntnis abschirmte. Die Ikonografie und das Image des Internets war nie besonders technisch in Deutschland, sondern wurde immer emotionalisiert und geradezu hysterisch übertrieben gefeiert oder verdammt: Auf der einen Seite waren die Chiffren völlig verkitscht, auf der anderen teuflisch bedrohlich. Auf jeden Fall blieb es dabei immer eine rein magische Weltsicht - der Unterschied war nur, ob es sich um schwarze oder weiße Magie handelte. Heutzutage hat sich die Bildsprache der schwarzen Magie ziemlich durchgesetzt.

Das Problem mit dieser magischen Ikonografie ist: Sie vermittelt, dass man sich nicht wehren kann. Sie ist eine geheimnisvolle Macht, ausgeübt von bösen Menschen, die nichts anderes im Sinn haben als uns niederträchtig zu verführen und das Blut die Daten auszusaugen. Sie macht uns - Moment: nicht uns, sondern unsere Kinder - sofort abhängig. Die Firmen sind keinesfalls vertrauenswürdige Unternehmen sondern geheimnisvolle Fabelwesen aus unbekannten Tiefen wie (Daten)kraken und Moloche.  Das Internet ist eine übernatürlicher Horrorlandschaft. Das moderne Mordor, die Unterwelt in die man zwar rein, aber nie wieder herauskommt, oder auch gleich die Hölle, in der immer apokalyptische Kämpfe ausgetragen werden. Für die der einzelne natürlich zu klein, zu schwach und zu unwissend ist um zu bestehen.

Nun hat die Süddeutsche diese Ikonografie versehentlich mit den Motiven einer anderen vermischt (dicke Unterlippe, Hakennase, Schläfenlocken), die einmal dieselbe Idee verfolgte: Die Dämonisierung. Und entlarvt sich damit selbst, denn man dachte ja offensichtlich, dass es sich hier um eine legitime Bildsprache handelt, um ein Bild von einem Internet zu zeichnen, vor dem man sich fürchten und gegen das man sich wehren muss.

Gewehrt haben sich die Deutschen auch hin und wieder - zum Beispiel indem sie Google-Streetview verboten haben, öffentlich sichtbare Häuserfronten von der Straße aus zu fotografieren. Dass Verlage und Profil-Firmen schon immer genau dasselbe tun und diese Fotos und jede Menge anderer Daten für viel Geld verkaufen, geschenkt.

Oder sie tun es gerade, indem sie WhatsApp nach Jahren der Ignoranz über die massiven Sicherheitslücken verlassen: Der Dämon Facebook ist für den Deutschen User offenbar mächtiger als jahrelange konkrete Sicherheitsmängel. Klar, ich finde es durchaus erfreulich, dass mein Bekanntenkreis endlich vom komplett löchrigen zu wenigstens halbwegs sichereren Anbietern wechseln. Sie tun es aber nichtsdestotrotz aus den falschen Gründen.

Es wird sich nichts ändern

Ich bin an vielen Stellen optimistisch. An dieser bin ich es nicht, denn ich glaube nicht daran, das sich diese Darstellung des Internets in den Medien mittelfristig ändern wird. Auch das kann ich mit der antisemitischen Karikatur der Süddeutschen erklären: Diese Art der Bildsprache ist eine Tradition. Besonders in Deutschland. Die konzeptionell inhärente Nähe zu offen diskriminierenden, stereotypisierenden Bildsprachen ist hier lediglich mal besonderst deutlich geworden.

Diese hochemotionale Dämonisierung, Entmenschlichung und Entsachlichung ist aber ein altes mediales Werkzeug, das viel zu gut funktioniert, als dass man sich davon verabschieden würde. Ich finde nicht ein mal, dass das besonders verwerflich ist. Das Problem ist, dass es so übermäßig benutzt wird, dass es die Wahrnehmung bei den Rezipienten so sehr dominiert, dass er auf keine sachlichere Darstellung mehr reagiert. Und das kann nicht gut sein.

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