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March 21 2015

Prost-Post

Ein Stöckchen über Trinkgewohnheiten (und wo's auch irgendwelche Regeln gibt, die ich ignoriere). Alkoholische Getränke zu sich zu nehmen und das mit dem Wort "Gewohnheit" zu verknüpfen ist in meinem Fall zwar fast nicht möglich - ich trinke dazu viel zu selten und schon gar nicht regelmäßig Alkohol - aber ich mag die Fragen trotzdem.

1. Was ist dein liebster Drink?

Milch. Ok. Es geht um Alkohol. Dann White Russian. Aber Dude-Style, also mit Milch.

2. Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken?

Als kleines Kind, nehme ich an. Ich war ja oft in der Rhön, wo unsere Großfamilie lebt und da geht schon mal eine ordentliche Menge Bier weg so über den Tag. Klar, dass man da mal neugierig dran nippt. War aber wenig überzeugend, wie eigentlich jedes Kind hab ich das nicht gemocht.

3. Welchen Drink hast du am meisten bereut?

Warschau 1988. Wir waren auf einer Austausch-Reise eine Woche zu Gast und jeden Abend gabs Wodka satt. Der war aber nicht das Problem. Das war der Krim-Sekt in dem Becher, der genau so aussah, wie der, aus dem ich vorher den ganzen Abend Wodka getrunken habe. Ein versehentlicher Schluck und mir war sofort klar: Das geht nicht gut aus. Ging es auch nicht.

4. Bar oder Kneipe?

Ist mir egal. Da wo es gemütlich ist und wo man in guter Gesellschaft ist.

5. Champagner oder Schaumwein?

Auch egal. Ich mag nur nicht zu süß und noch weniger, wenn's im Mund schäumt. Im Prinzip genau so wie bei Cola. Ich bin was Sekt und anderes Prickelwasser angeht einfach gestrickt. Außerdem trinke ich Sekt und Schampus eh nur wegen irgendeinem Anlass und ganz selten mal nur von mir aus.

6. Mit wem würdest du gerne trinken?

Da muss ich etwas ausholen: Ich habe gerne mal das Problem, dass ich gerade dann, wenn mir Menschen sympathisch sind oder ich sie für tolle Dinge die sie tun oder weil sie einfach so großartig sind, bewundere, sehr gehemmt bin, ihnen das zu sagen und "locker sein" ist schon gar nicht drin. Was dann gut funktioniert ist ein Glas Wein. Man sagt ja, dass Alkohol entspannt oder entkrampft - genau so ist es. Ein Glas Wein hilft mir über die ansonsten unüberwindliche Schwelle, mit dem Gegenüber ein ganz normales und unverkrampftes Gespräch führen zu können.

Also: Ausgehend davon, dass hier nach Menschen gefragt wird, die ich noch nie persönlich getroffen habe, aber es gerne mal täte würde ich gerne mal ein Glas Wein mit Jeff Bridges und Michelle Pfeiffer trinken. Am liebsten mit beiden zusammen. Ich würde auch einfach nur zuhören, wie sie sich unterhalten. Wenns etwas weniger Fanboy sein soll und mehr, weil sie mich mit immer wieder den Dingen beeindrucken, die sie tun, schreiben oder sagen oder weil ich glaube, dass sie einfach sehr coole Menschen sind: Mit Neil Gaiman, mit Anke Engelke, mit Oliver Kalkofe oder mit Laurie Penny.

7. Bei wem würdest du gerne trinken?

Wenn ich die Antworten woanders lese geht es hier um bestimmte Locations oder eben Kenner, bei denen man interessante Getränke in der Hausbar vermutet. Leider hab ich bei beidem so wenig Ahnung, dass ich das nicht beantworten kann. Wobei, nicht ganz: Bei Stefan kann man auch ganz gut Whisky trinken.

8. Wie sieht deine Hausbar aus und was ist das Kostbarste darin?

Tatsächlich habe ich einige wirklich leckere Whiskys in meiner kleinen Glasvitrine. Mit Whisky (schottisch) kenn ich mich sogar wirklich ein bisschen aus. Der kostbarste davon dürfte ein Blackadder raw cask sein. Der steht auch schon sehr, sehr lange bei mir und das Wachs um den Korken wird daher auch nur sehr selten gelöst.

9. Beschreib deine Eiswürfel.

Ganz normale Eiswürfel aus ner Plastikform. So rechteckig.

10. Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung?

Ich empfehle, dass man sich dazu an Freunde wendet, die sich damit gut auskennen. Zum Beispiel an Herrn Jahnke.

11. Wie bekämpfst du deinen Hangover?

Hab ich - zumindest wegen Alkohol - schon ewig keinen mehr gehabt. Was aber gut funktioniert ist Kaffee mit Zitrone.

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February 27 2015

Dear Mr Nimoy

Sie waren einer der Helden meiner Kindheit. Ich liebte Raumschiff Enterprise und zwar wegen Ihnen. Ihre Figur Spock war - und das wurde mir erst sehr spät bewusst - für mich ein Role Model im besten Sinne: Sie verstanden viel von Dingen, Prozessen, Zusammenhängen und wenig von dem, wie sich die Menschen um Sie herum verhielten. Aber Sie stellten sich nie arrogant über andere, was ja schnell passieren kann. Sie zeigten mir, dass Freundschaften, Respekt, Akzeptanz und Toleranz auch gelebt werden können, wenn man Schwierigkeiten hat, die Umgebung zu verstehen oder wenn die Umgebung Schwierigkeiten hat, Sie zu verstehen. Das ist eine unglaubliche Leistung, die Sie als Schauspieler abgeliefert haben und ich glaube, dass Sie selbst das auch erst später und im Nachhinein bemerkt haben.

Ich habe von dem, was Sie jenseits von Star Trek als Schauspieler gemacht haben, nicht mehr viel mitbekommen. Aber gerade in den letzten zehn Jahren sind sie mir wieder Nahe gekommen, denn Sie haben das Internet für sich entdeckt und in den letzten Jahren vor allem Twitter und Youtube genutzt, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Und sie haben ganz in Ruhe Ihr Weltbild gezeigt: Es ging immer um Genau dieselben Themen, die schon damals wichtig waren: Freundschaft, Respekt, Akzeptanz und Toleranz. Und zusätzlich um Geduld und Optimismus.

Ihr letzter Tweet strahlt auch das alles wieder aus und ich werde mich daran halten. Einerseits die wertvollsten, perfekten Momente in guter Erinnerung zu halten, aber ihnen auch nicht nachtrauern. Es kommen neue. Dennoch, heute trauere ich ein wenig und erinnere mich gerne an Sie.

LLAP

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February 25 2015

Glückwunsch, herzlichen.

Heute ist also, ich weiß aber nicht, weil ich zu faul bin, obwohl ich weiß dass ich das eigentlich, weil ich ja gerne auch Quellen für Themen, in denen ich mich nicht so gut wie ich müsste, um wirklich sinnvoll mitzureden, auskenne, checke, müsste, nachzusehen, aus welchem Grund, der Tag der Schachtelsätze.

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February 21 2015

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Historically Accurate Disney Princesses

February 15 2015

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Elite: Dangerous - Das Tagesgeschäft

January 30 2015

Wie schafft man neue Narrative und Argumentationen?

Jetzt hab ich doch was für die re-Publica eingereicht. Meine ursprüngliche Idee, mal aufzuzeigen, wie exakt und vollständig Tracking heutzutage schon funktioniert - war leider zu ambitioniert, das verständlich aufzubereiten hab ich mir am Ende nicht in der notwendigen Detailliertheit zugetraut. Aber mich treibt in letzter Zeit - vor allem durch viele Diskussionen rund um Pegida und Charlie Hebdo - ein anderes Thema um, nämlich die Hysterisierung und Entsachlichung von Argumentationen und dass es Zeit ist, gegen die neue Welle des Überwachungswahns endlich mal Narrative zu entwickeln, die wirklich greifen können.

Kurzthese:

Die Kommunikation in diesen Tagen ist oft geprägt von ungünstigen Kommunikationsprinzipien: Grundsätzliche Polarisierungen und Formulierungen als entweder/oder Entscheidungen blockieren schon im Ansatz eine pluralistische Meinungsvielfalt, verhindern Dialogmöglichkeiten und Konstruktivität. Ich stelle Ansätze vor, Narrative zu entwickeln, die diese Fehler nicht machen: Z.B wie erkläre ich, dass Internetüberwachung jeden Menschen angeht? Wieso ist "und" stärker als "oder"? Wie formulieren wir Ziele, die nicht mit "Gegen" anfangen oder mit "verhindern" aufhören?

Beschreibung:

Die Kommunikation in diesen Tagen ist oft geprägt von ungünstigen Kommunikationsprinzipien: Grundsätzliche Polarisierungen und Formulierungen als entweder/oder Entscheidungen blockieren schon im Ansatz eine pluralistische Meinungsvielfalt, verhindern Dialogmöglichkeiten und Konstruktivität. Natürlich ist da eine Absicht dahinter, denn die Idee ist natürlich, Alternativlosigkeit herzustellen und das geht am einfachsten, wenn es nur eine gute und eine schlechte Möglichkeit gibt, ein Problem zu lösen. Aber es spaltet, denn eine Partei muss dann immer vollständig verlieren.

Ein weiteres Problem für Narrative - speziell wenn es um Überwachung geht - stellt die Fokussierung auf einzelne Medien ("Betrifft nur eine Minderheit. Ich schreibe eh nur 3 E-Mails im Jahr"), technische Details ("Deep Packet Inspection? Kapiert doch eh keiner und ist doch nur Nerdkram.") oder extreme Einzelfälle ("Du willst also Terroristen und Kinderschänder einfach frei rumlaufen lassen?") dar: Das verstellt den Blick aufs Wesentliche: Es geht doch darum, dass wir nicht mehr miteinander reden können, ohne dass jemand zuhört.

Ich stelle Ansätze vor, Narrative zu entwickeln, die diese Fehler nicht machen: Z.B wie erkläre ich, dass Internetüberwachung jeden Menschen angeht? Wieso ist "und" stärker als "oder"? Wie formulieren wir Ziele, die eben nicht mit "Gegen" anfangen oder mit "verhindern" aufhören (und warum sollten wir darauf achten)?

Auch Argumente werden auf verschiedenste Weise entwertet, verdreht oder emotionalisiert: Wenn Politiker z.B. sagen "Wir müssen die Ängste ernst nehmen!" tun sie genau das Gegenteil, weil sie damit sachliche Kritik in eine irrationale Emotion verwandeln. Diese und weitere Standards der Diskussionsvermeidung will ich vorstellen und auch Vorschläge machen, darauf zu reagieren. Und zu zeigen, dass das umgekehrt auch gut funktionieren kann.

Anmerkung:

Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, das auch als Panel zu machen, habe aber noch niemanden angefragt (Die Idee kam mir gerade erst beim schreiben). Als TeilnehmerInnen würden mir beispielsweise spontan Anne Roth (als Expertin zum Thema Netzpolitik, Privacy, Überwachung) und Katharina Nocun (die mir im LNP-Podcast das erste Mal wirklich verdeutlicht hat, wo bei TTIP die Probleme liegen) einfallen. Maha würde auch zum Thema passen, wenn es um rethorische Spitzfindigkeiten geht und darum, wie man die kontern kann.

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January 22 2015

Totalüberwachung: Warum der Kampf gegen Verschlüsselung ein gutes Zeichen ist

Vor einiger Zeit geisterte das Narrativ durch die Netzwelt, die Snowden-Enthüllungen hätten ja nichts geändert. Ich hatte daraufhin ein anderes Bild aufgemacht: Nur weil es keine allgemeine Empörung gibt, heißt das nicht, dass nichts passiert. Es heißt erst mal nur, dass das Thema sich nicht für eine plötzliche allgemeine Empörung eignet.

Meine Vermutung war, dass sich Bewusstsein langsam aber stetig seine Bahn in die weniger netzaffinen Bereiche der Gesellschaft bahnt (und daher auch keine allgemeine Empörung zu sehen war). Ich merkte an, dass EntwicklerInnen und IngenieurInnen schon begonnen hatten, ihre Apps, Dienste und Hardware sicherer zu machen und dass Cryptografie nicht als Add-On sondern als Standard in neuen Produkten und Diensten erwartet und auch geliefert wird. Und dass das nur etwas Zeit benötigen wird, denn sowas wird ja nicht von einem Tag auf den anderen fertig. Aber wenn sogar der unsicherste und dennoch verbreitetste Messenger WhatsApp Verschlüsselung einführt und ausbaut, dürfte klar sein, dass wir uns bei der Anforderung, dass unsere private Kommunikation wieder vertraulich zu sein hat, nicht in einer Nische befinden.

Der Artikel ist vom 3. Juli. Das was ich darin beschreibe, war meiner Meinung schon sehr sichtbar, aber konkrete Wirkungen eventuell noch nicht. Jetzt aber sind sie es auch. Indirekt.

Der Britische Premierminister Cameron verlangt das Verbot von Verschlüsselung. Barak Obama laviert sich zu einer ähnlichen Aussage. Heute nun kommen auch unsere deutschen Minister mit der Forderung daher, dass "Sicherheitsbehörden" (also Geheimdienste), Verschlüsselungen umgehen können müssen.

Was sagt uns das?

Zunächst mal was Gutes, nämlich: Die Geheimdienste, die Jahre lang jederzeit auf unsere Kommunikation zugreifen konnten, geht inzwischen offenbar schon so viel davon durch die Lappen, dass sie sich genötigt fühlen, bei ihren Dienstherren zu quengeln. Weiter noch: Wenn es jetzt schon so weit ist, dass man nach gesetzlichen Regelungen sucht, um Verschlüsselungen verhindern oder umgehen zu können, dann ist die "Aufrüstung" von uns BürgerInnen schon so weit gediehen, dass der technische Aufwand, unsere Kommunikation doch wieder irgendwie einzufangen, zu hoch ist, um das ohne Gesetze zu stemmen.

Es ist auch deswegen ein gutes Zeichen, weil erstens noch lange nicht jeder verschlüsselt und wir zweitens noch lange nicht am Ende der technischen Möglichkeiten sind, um Geheimdienste daran zu hindern, uns abzuhören. Und doch ist schon jetzt der Moment erreicht, an dem sie Schwierigkeiten bekommen.

Wie panisch man da wohl ist, zeigt sich auch an der löchrigen Argumentation, die zurechtzulegen man sich - um den Anschlag in Paris als Fahrwasser nicht zu verschenken - offensichtlich so beeilt hat, dass man den Widerspruch nicht mal versucht hat zu kaschieren, der sich aus der Behauptung ergibt, dass man ja Abhörmaßnahmen nur mit strengen richterlichen Auflagen und im Extremfall durchführen will, während ja jeder weiß, dass sie uns doch schon längst und jetzt gerade ganz ohne irgendwelche Legitimation abhören.

Die Logik wird ab diesem Punkt auch nicht mehr schlüssiger, im Gegenteil: Wer wirklich übles vor hat - und darum ginge es ja nur: absolute Extremsituationen - wird abhörbare Kommunikationsmedien einfach von vorneherein gar nicht erst verwenden oder sich einen Teufel um gesetzliche Vorgaben scheren und seine Kommunikation eben doch ordentlich verschlüsseln. Das heißt im Effekt, dass die Komplettüberwachung am Ende jeden Menschen überwacht, nur nicht die, zu deren Überwachung das alles angeblich gemacht wird.

Ich glaube daher, dass es für uns alle wichtig ist, den beschrittenen Pfad weiter zu verfolgen:

1. Es als Selbstverständlichkeit zu betrachten und zu propagieren, dass Verschlüsselung benutzt wird wenn immer das möglich ist.

2. Bei der Auswahl von Tools, Apps, Services immer diejenigen zu bevorzugen, die die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer und ihrer Daten Ernst nehmen und für die entsprechende Standards selbstverständlich sind.

3. Bei der Entwicklung von neuen Tools und Produkten schon von Beginn an für sichere Verbindungen und Schutz davor, ausspioniert zu werden zu sorgen, so dass das nicht nachträglich langwierig umgebaut werden muss oder Nutzer erst noch eigene Maßnahmen drumherumbauen müssen, damit sie ihre Privatsphäre behalten.

Eine Bitte an Journalisten: Wenn ihr die Gelegenheit habt, mal einen dieser Herren, die da gerade rund gehen, eine Frage zu stellen, dann stellt ihnen bitte mal diese:

"Vor über einem Jahr, als bekannt geworden ist, dass uns die US und UK-Geheimdienste abhören und unsere Geheimdienste ihnen dabei helfen, haben sie gesagt, der Bürger müsse sich selbst darum kümmern, dass seine Kommunikation verschlüsselt wird. Jetzt tut er genau das und nun wollen Sie Verschlüsselung verbieten oder unterlaufen. We Te Eff, Herr Minister?"

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January 09 2015

Dresden

Ich war in den Siebzigern und Achtzigern als Kind zwar nicht regelmäßig, aber doch wohl öfter in der DDR als viele meiner Altersgenossen. Allerdings war das vor allem im Norden, rund um Rostock. In Berlin oder in anderen bekannten Städten wie Leipzig, Halle und Dresden war ich erst nach dem Mauerfall. Berlin by the way musste sogar am längsten warten. Da war ich tatsächlich nie vor 2001.

Was man eventuell auch schon feststellen konnte wenn man mich ein wenig kennt ist, dass ich gerne Städtereisen mache. Das liegt daran, dass Städte sehr unterschiedliche Charaktere haben. Es gibt natürlich auch immer Statdtteile, in denen bestimmte Ausprägungen stärker oder schwächer sind, aber es gibt auch immer eine gemeinsame Atmosphäre, die sich über eine ganze Stadt zieht und die in jeder Stadt unterschiedlich ist.

Berlin ist zum Beispiel in meiner Wahrnehmung immer etwas aufgeregt. Neugierig. Und verpeilt. Hamburg kommt - sorry - vor allem distanziert und arrogant rüber. Köln ist kumpelig und zuweilen prollig, immer ein bisschen alkoholisiert. 

Ich will aber jetzt nicht alle Städte durchgehen und ich merke auch direkt schon, dass das mit ein zwei Begriffen umschreiben zu wollen nicht funktioniert und schnell klischeeig wird. Ich wollte aber damit erklären, dass ich bei der Wahrnehmung einer Stadt so vorgehe wie wenn ich Personen einschätze: Ich versuche bewusst, Eigenschaften zu entdecken, die ich mit Gefühlen verknüpfen kann, um mit ihnen eine Beziehung herstellen zu können (und mir merken zu können, wer das ist. Sonst vergesse ich das nämlich direkt wieder). Das geht wesentlich weiter als drei Worte. Das sorgt dafür, dass Edinburgh mir immer das Gefühl gibt, total Willkommen zu sein und Dresden das, jetzt aber besser mal ganz vorsichtig zu sein.

Bei Dresden war das wirklich von Anfang an so seltsam. Denn eigentlich ist die Stadt doch sehr schön: Es ist nicht eng, es gibt schöne Gebäude, es ist hell und immer, wenn ich da war, war der erste Eindruck der Menschen dort ein eher relaxeder und unaufgeregter. Aber irgendwas war seltsam. Schon beim ersten Mal als ich dort war fühlte ich mich unbehaglich. Es lag nämlich etwas in der Luft, was ich mir nicht erklären konnte und mir das Gefühl vermittelte, es sei besser, hier bloß nichts falsches zu sagen oder mich zu auffällig zu bewegen. Es passte nie zu dem, was ich jeweils tatsächlich gesehen habe, daher habe ich das eine Weile als Fehlwahrnehmung ignoriert.

Aber mit jedem Besuch dort - und ich war sehr oft in Dresden, z.B. bin ich vor ein paar Jahren über Monate beruflich alle zwei Wochen hingeflogen - war es wieder da. Eine unterdrückte Aggression, die irgendwo hinter den alten Fassaden lauerte. Die aufgestellten Nackenhaare kamen immer wieder, die ständige Hab-Acht-Alarmiertheit ging einfach nicht weg. Seltsam, wo die Menschen, mit denen ich dort direkt zu tun hatte, allesamt nett und freundlich waren und ich mich - soweit das für Arbeitsbekanntschaften gelten mag - auch immer freute, sie zu sehen.

Ich empfand es als ungerecht, immer wieder froh gewesen zu sein, die Stadt wieder verlassen zu können, aber es war so: Die Atmosphäre der Stadt machte mir Unbehagen, ob ich wollte oder nicht. Und es verschwand sofort, wenn ich wieder fort war.

Heute nun las ich einen Blogartikel von Peter Richter, der sich mit Dresden und seinen Erinnerungen daran beschäftigte und ich fand darin Formulierungen, die dieses Gefühl, das ich mit Dresden verbinde, ziemlich genau beschreiben.

Es gibt einen anderen Teil in dieser Stadt, der ist ganz und gar nicht gemütlich, sondern in einem Maße hektisch und aggressiv, dass es Auswärtige, und nicht nur die, oft mit der Angst bekommen. In Dresden hatte man damals, als sich aus der Randale, die ersten Demonstrationen formten, das Gefühl, dass die Kirchenleute und die sogenannten bürgerlichen, besonneneren Kräfte die Sache nicht so sehr anführen, sondern eher eindämmen mussten. (...)

Das - und der Rest seines lesenswerten Beschreibung der Stadt - ist auf eine beunruhigende Art beruhigend, denn ich erkenne die Stimmung der Stadt, wie sie sich mir darstellt, darin wieder und habe nun endlich auch ein paar Hinweise, warum das so ist. Dass Dresden irgendwie anders und eigen ist, haben mir auch schon viele Menschen, unter anderem auch Dresdner, bestätigt. Aber so eindeutig beschrieben habe ich es erst heute zum ersten Mal bekommen.

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January 05 2015

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Kölns OB Roters auf der "Köln steht sich Quer" Demo

January 01 2015

2015 dann...

Ich erinnere mich in den letzten drei, vier Jahren vor allem daran, sehr oft müde gewesen zu sein. Müde im Sinne von "Alles was erledigt werden muss, geschafft - alles was ich aufschieben kann, aufgeschoben." Und den inneren Akku dabei wieder bis 10% verbraucht, so dass abends nicht viel mehr drin ist als im Internet rumzuklicken oder TV-Serien zu schauen.

Irgendwas muss sich daran ändern. Dringend. Unter den aufgeschobenen Dingen sind (neben denen, die ich einfach nicht mehr schaffe wie Steuern und die Bude mal richtig aufzuräumen) vor allem die, die ich für mich selbst gerne machen würde. Eigentlich nicht so schwierige Dinge wie ein Familientreffen zu organisieren, mit dem Podcast zu starten oder einen Urlaub zu planen.

Total weit weg sind ganz andere Wünsche: Mal beruflich was richtig neues zu machen. Irgendwas, was viel mehr mit mir selbst zu tun hat. Ich unterdrücke seit langem so viele Interessen, aber mir fehlt bei den meisten Themen einfach der richtige Startpunkt. "Von Null" starten? Nein. Ich fühle mich zu alt für einen langen, anstrengenden Neuanfang und ehrlich gesagt will ich das auch nicht, weil ich eigentlich nicht mehr langwierig beweisen will und muss, was ich kann oder weiß. Ich bin nicht mehr 25 und auf der Suche nach einer Herausforderung. Ich bin 45 und auf der Suche nach einer sinnvollen und befriedigenden Aufgabe. Aber es fehlt die richtige Gelegenheit. Der Einstieg an der Stelle, die okay ist.

Was ich inzwischen auch gut kann ist "Fels in der Brandung" sein. Darauf bin ich auch stolz. Ich habe meine kleine erweiterte Familie, die mir wichtig ist. Kinder, Freundinnen, Freunde. Menschen, die wissen: Ich gehe nicht weg, ich mache keine wilden Sprünge, ich flippe nicht aus und ich werde nie Drama machen. Wenn woanders Drama ist, kann man zu mir kommen und sich ausruhen. Ich verurteile niemanden, den ich einmal ins Herz geschlossen habe. Selbst wenn man mal weit weggeht, bin ich immer noch da wenn man wiederkommt. Das ist meine Superheldenfähigkeit: Einfach da sein. 

Die will ich auch behalten. Es hilft mir, mich zu erden und in einer Form menschlich zu sein, die mir selbst gut gefällt. Aber ich bin dadurch anscheinden zu passiv und genügsam mir selbst gegenüber. Ich habe keine Ahnung, wie ich das ändern kann. Realisitischerweise nutzt es auch nichts, mir jetzt zu sagen, das ändert sich 2015. Vielleicht tut es das, vielleicht aber auch immer noch nicht. Aber die letzten sieben Jahre vergingen wie im Flug. Für die nächsten sieben wäre es schon angebracht, dass ich am Ende einiges signifikant anderes mache als heute. Das ist kein Vorsatz, eher ein Wunsch.

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December 22 2014

Fragebogen 2014

Ich erinnere mich, wie ich diesen Fragebogen letztes Jahr ausgefüllt habe und dabei sehr bewußt versucht habe, mich nicht zu sehr von der Stimmung beeinflussen zu lassen, die in dem Moment gerade vorherrschte. Denn es ging ja um das gesamte Jahr und nicht nur um die letzten zwei Monate. Wie sehr mich die Auflösung unseres Kölner Büros getroffen hatte, erkannte ich auch erst im Februar und auch wie lange es für mich dauern würde, wieder in den Tritt zu kommen, war damals für mich nicht absehbar.

Dennoch: Im Nachhinein kommt mir das Fazit letztes Jahr viel zu unbedarft und auch ein wenig naiv vor. Die Auswirkungen davon haben dieses Jahr maßgeblich bestimmt. Und zwar in fast allen Bereichen, denn es gab nahezu keine Zeit, in der ich nicht damit beschäftigt war. Einerseits emotional, weil ich sehr enttäuscht und sehr verärgert über diese unnötige Entscheidung war (und zum Teil noch bin). Andererseits natürlich wegen der Notwendigkeit, wieder einen Status und eine Rolle zu finden, mit der ich wieder Fuß fassen konnte.

Erst im Oktober ist mir das gelungen. So lange war ich für meine Lieben wahrscheinlich nicht der Partner, Vater, Freund, wie ich es gerne gerwesen wäre. Und doch sind alle bei mir geblieben und haben viel Geduld mit mir gehabt. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

(Hier auch wieder die Rückblicke auf 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003)

Zugenommen oder abgenommen? Da mir die Anzughosen, die ich mir letztes Jahr gekauft habe, viel zu weit geworden sind, hab ich wohl abgenommen.

Haare länger oder kürzer? Anfang des Jahres lang, dann für meine Verhältnisse sehr kurz und übers Jahr wieder länger.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Gleich geblieben. Zum Glück. Die letzten Jahre wurde es ja permanent schlechter mit dem nah sehen.

Mehr bewegt oder weniger? Etwas mehr, sicher noch immer zu wenig. Eventuell fühle ich mich aber auch nur fitter, weil der Verfall der letzten Jahre gerade  mal etwas Pause macht.

Mehr ausgegeben oder weniger? Sehr wenig für mich selbst. Quasi gar nichts im ersten halben Jahr, um den Status Quo nicht zu gefährden. Die laufenden Kosten sind erheblich gestiegen.

Der hirnrissigste Plan? Dieses Jahr war extrem vernunftgeprägt. Die Auswirkungen der Veränderungen Ende letzten Jahres haben sich bis Oktober hingezogen und ich hatte keinen Kopf für hirnrissige Pläne. Ich würde gerne mal wieder was hirnrissiges planen. Vielleicht nächstes Jahr.

Die gefährlichste Unternehmung? Meine persönliche Situation dieses Jahr war heikel genug, da war kein Platz für noch mehr Risiken. Was nicht bedeutet, dass ich nichts gemacht habe, im Gegenteil. Aber zusätzliche Gefahr brauchte ich dazu nicht.

Der beste Sex? War der, der mich für einige Momente aus dem Laufrad geholt hat und mich meine Unsicherheit vergessen ließ, die dieses Jahr vorherrschend gewesen ist.

Die teuerste Anschaffung? Dieses Jahr gab es nichts teures. War auch nicht nötig, ich hätte mich darüber im Nachhinein auch mehr drüber geärgert als gefreut.

Das leckerste Essen? War ein unglaublich gutes Schokoladensouflée. 15 Minuten völlige Begeisterung auf der Zunge. Wenn ich nur dran denke, verzückt es mich direkt schon wieder.

Das beeindruckenste Buch? Homeland, Cory Doctorow. Nicht, weil es besonders meisterhaft geschrieben ist, sondern weil es (wenn man bedenkt, dass es schon letztes Jahr herauskam und somit sicher seine Zeit für Recherche und aufschreiben gedauert hat) so viel von dem vorweggenommen hat und wahrscheinlich auch noch mehr von dem vorwegnimmt, was jetzt gerade passiert.

Der ergreifendste Film? The Frame.

Die beste CD? Westwind. Auch wieder erfolgreich über eine Crowdfunding-Aktion finanziert. Braucht mir also keine Musikindustrie erzählen, das Internet sorgt dafür, dass es weniger gute Musik gibt und dass keiner dafür zahlt.

Das schönste Konzert? Das CD-Release Konzert der Singvögel. So viel Spaß hatte ich echt lange nicht.

Die meiste Zeit verbracht mit...? Über Wasser bleiben.

Die schönste Zeit verbracht damit...? ...1. Mit Lewin aufs Drachenfest zu fahren. 2. Mit Frauke Serien zu gucken. 3. Musik und andere Hobbies, auf die ich zum Glück nicht verzichtet habe.

Vorherrschendes Gefühl 2014? Nicht ich selbst zu sein. Ganz neue Selbstzweifel. Das Gefühl, gegen den Strom ans Ufer schwimmen zu müssen. Das alles mit einem - zugegebenermaßen nicht selten eher grimmigen - bewussten Optimismus im Griff zu behalten und weiterzumachen.

2014 zum ersten Mal getan? Nicht so viel, es waren irgendwie viele dejá vu Momente, allerdings hab ich viele davon weitaus besser gemeistert als früher. Vielleicht hab ich dann zum ersten Mal bewusst einen Vorteil des Alters erkannt: Erfahrung zu haben ist viel Wert.
Oh, und ich hab Istanbul besucht.

2014 nach langer Zeit wieder getan? Über einen langen Zeitraum eisern gespart.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? 1. Der lange Aufenthalt in dieser beruflichen Zwischenwelt, was mir den größten Teil des Jahres immer irgendwie im Nacken saß. 2. Das mit dem Podcast nicht geschafft zu haben den ich so gerne machen wollte. 3. Nach all dem Scheiß fast ein Jahr zu brauchen, um wieder an die Stelle zu kommen, wo ich vor zwei Jahren schon mal war.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Dass man mich nicht unterschätzen sollte.  Ich habe mich sehr bewusst von den ärgerlichen Entwicklungen von Ende letzten Jahres nicht ins Abseits drängen lassen sondern an das, was letztes Jahr gut war anzuknüpfen und z.B. dieses Jahr gleich drei erfolgreiche Vorträge auf verschiedenen Veranstaltungen halten oder ein Fachblog begonnen, das ganz gut aufgenommen wird.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Schultern zum Anlehnen. Zuspruch. Trost. Optimismus. Ich habe so viele wunderbare Menschen in meinem Leben, die mir in diesem Jahr so gut getan haben und denen ich sehr dankbar bin.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? "Zeigs ihnen!"

2014 war mit 1 Wort...? Was ist das Gegenteil von Ponyhof? Genau das Wort dann.

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December 12 2014

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Elite: Dangerous - Anflug und Landung auf einer Raumstation

November 17 2014

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Making of Gabriel Knight - Sins of the Fathers (1994)
LARP und Social Media

November 09 2014

Mein 9. November und das Wort, dass ich am Ende des Tages hassen gelernt habe


(Bild von Twitter, ich reiche die Quelle nach, ich finde sie nämlich gerade nicht mehr)

Ich hatte den gesamten Umbruch in Europa relativ gut mitbekommen - zumindest was die offizielle Berichterstattung angeht, denn es gab ja noch keine Alternativen, geschweige denn ein Internet, in das Menschen das, was sie gerade erlebten, direkt reinschreiben hätten können. Aber da bei uns der Fernseher abends quasi immer an war, gab es wenig weltbewegendes zu verpassen.

Außerdem sind Astrid und ich im Sommer des Jahres 1989 knapp zwei Wochen in Polen gewesen und haben dort schon einiges von dem vorweg spüren können, was in den folgenden Monaten kam. Dort war der Umbruch nicht nur zu spüren, sondern schon lange in vollem Gange - wir hatten ja sogar den direkten Vergleich, da wir 1988 schon einmal in Polen gewesen sind. Letztendlich war das, was danach in Ostdeutschland passierte, daher für uns keine so große Überraschung, allerdings war der 9.11 durchaus dennoch ein Ausnahmetag. Den verbrachten wir weit weg von Berlin (Astrid als Au Pair in London und ich als Zivi in Pforzheim) vor dem Fernseher und schauten uns die Bilder an von den geplatzen Grenzen, durch die plötzlich unglaubliche Mengen Menschen strömten.

Ich erinnere mich an einen Gedanken, den ich dabei hatte: Was wäre eigentlich gewesen, wenn diese vielen Menschen schon viel früher mal auf die Idee gekommen wären, einfach mal über die Grenze zu spazieren, so wie sie es an diesem Abend taten? Sekt und Blumen in der Hand, die Grenzer einfach ignorierend? Ich meine, da standen die Leute plötzlich auf dieser Mauer. Die plötzlich überhaupt kein Hindernis mehr war - von einem Augenblick zum anderen. Warum hat dieses Ding nochmal Jahrzehnte so viele Menschen in Schach halten können? Angesichts der Bilder hatte ich auf diese Frage überhaupt keine logische Antwort mehr: Das Ding stellte doch überhaupt keine Gefahr dar. Die war ja offensichtlich nicht mal besonders hoch. Wie konnte diese Mauer innerhalb von ein paar Stunden ihre Macht komplett verlieren?

Letztendlich aber war ich nicht sonderlich emotional bei der ganzen Geschichte. Wir hatten Bekannte in der DDR - das Ostsee-Foto im letzten Blogartikel ist an einem unserer Besuche in Rostock entstanden - und natürlich freute ich mich darüber, dass dieses seltsame Gebilde da drüben, diese DDR, und überhaupt dieser kalte Krieg mit dem wir aufgewachsen sind und der immer irgendwie da war, ein Ende hat. Allerdings ging das ja schon früher los. Die DDR war ja zu dieser Zeit schon länger angezählt: die UdSSR war ja schon lange auf einem Reformpfad, der die Richtung vorgab. Auch die Proteste und die Reformkräfte in Ostdeutschland waren ja schon wochenlang in den Medien, ohne die Russen war sowas nicht mehr zu stoppen und Gorbatschow hatte kurz zuvor auch Honecker gegenüber klargestellt, dass diese Zeiten vorbei sind.

Vielleicht also - und das hab ich mich bei so manchen Rückblicken und Jahrestagen der letzten 25 Jahre öfter mal gefragt - ist es manchmal besser, gar nicht mal so gut informiert zu sein, um die emotionale Wucht eines solchen Ereignisses erleben zu können. Ja, es war ein toller und spannender Tag. Aber die einzige wirklich heftige Emotion, an die ich mich erinnere, war dass ich nach zwei Stunden das Wort "Wahnsinn" echt nicht mehr hören konnte. Denn das wars definitiv nicht, auch wenn jeder Mensch, der an diesem Abend ein Mikrofon ins Gesicht gehalten bekam, dieses Wort benutze.

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November 05 2014

Alte Bilder - die Siebziger

Ich digitalisiere gerade alte Fotos. Gar nicht leicht, die Dinger sind echt ganz schön vergilbt und unscharf, was im Fotoalbum nicht auffällt, aber als Scan sofort problematisch wird. Egal. Ich wollte einfach mal schauen, ob ich mich an sehr alte Zeiten noch erinnern kann. Als Kind und junger Erwachsener konnte ich das nämlich sehr gut, aber tatsächlich ist mir vor allem in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren einiges abhanden gekommen.

Ich vermute deswegen, weil sich die Welt insgesamt immer mehr von der meiner Kindheit unterscheidet und dadurch Anknüpfungspunkte verloren gehen, die einem geholfen haben, die Erinnerungen aktuell zu halten. Zum Beispiel gibt es keine 2CV oder VW Käfer mehr auf der Straße. Oder Telefonhäuschen. Oder die Kinos mit den Steckbuchstaben über dem Eingang... in der Welt um mich herum findet sich kein Anker mehr, der die Gedanken in die Siebziger oder die frühen Achtziger erleichtert. Solche Gebäude, Gegenstände oder Szenen finden sich inzwischen nur noch auf den alten Fotos.

Das hier zum Beispiel (ich bin links - nehme ich an, denn die Faustregel meiner Eltern bei Fotos ist immer "Mund zu ist Jens" gewesen. Allerdings ist es hier auch recht einfach, meinen Bruder zu erkennen): Mit diesem T-Shirt habe ich haufenweise Erinnerungen. Nicht nur der Urlaub an der Ostsee in der DDR (müßte 1977, spätestens '78 gewesen sein - Brille bekam ich erst 79) wo das Foto entstand, auch Besuche in Tiergärten und auf einem Bauernhof, Fahrradfahren im Sommer und Schulferien in der Rhön hängen da dran.

Dass die Hosen irgendwie seltsam sind oder wie sich diese Sandalen trugen ist dagegen nicht machvollziehbar. Dazu gibt es keinen Bezug mehr. Es gibt allerdings Hosen und Schuhe, an die ich mich genauso gut erinnere wie an dieses T-Shirt. Es ist echt seltsam, an was sich Erinnerungen heften.

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October 19 2014

Liebes Tagebuch...

Wie es ja immer so ist: Wenn ich viel Zeit habe, schreibe ich viel. Wenn ich viel arbeite oder unternehme, schreibe ich wenig. Momentan schreibe ich sehr wenig, was dann wohl im schlechtesten Fall  bedeutet, dass ich wahnsinnig viel zu tun habe oder im besten Fall echt viel unternehme. Wahr ist: Ich hab dieser Tage einerseits viel zu tun und unternehme andereseits auch recht viel. Die Mischung ist anstrengend, aber ok. Um dann doch nicht ganz den Anschluss zu verlieren, hier nun in Kurzform, was ich in den letzten Wochen so treibe:

Erst mal hab ich zum Anfang Oktober den Arbeitsplatz gewechselt. Nicht weit weg, ich bin immer noch in der UDG, aber nun beim Consulting. Das ist ein wenig wie zurückkommen, denn ungefähr an der selben Stelle waren wir schon mal vor etwa vier Jahren und das fühlt sich ganz gut an, nachdem das irgendwann aber lassen wir das. Da sich das letzte Jahr ohnehin schon so entwickelt hatte, dass ich die meiste Zeit in Beratungsprojekten unterwegs war, was das zwar von außen gesehen wahrscheinlich ein recht kurzer und logischer Schritt, aber ich fühlte mich in den Monaten zuvor ständig irgendwie zwischen den Stühlen und nie so richtig passend.

Die erste Hälfte des Oktobers verbrachte ich dann auch direkt mal nahezu komplett unterwegs, von Hamburg bis Wien und die letzten Tage bis gestern auch ein Stückchen darüber hinaus. Nie zu Hause zu sein ist allerdings auch nicht mein Traum, ich denke aber, wir bekommen die richtige Mischung hin.

Zwischen der Arbeit passieren aber auch Dinge. Sehr schöne auch, wie zum Beispiel das Releasekonzert für die neue Singvögel-CD Westwind von Karan, Duke und Sven, zu dem ich Frauke und Lewin mitgeschleppt habe. Da der Mann am Mixer ausfiel, hab ich das übernommen - ich mag es ja, wenn ich mich nützlich machen kann - und nach über zwei Stunden Konzert war ich dann auch wieder derart angefixt von der ganzen Stimmung, dass ich mich entschieden habe, mir sobald wie möglich ein ordentliches Stagepiano zu besorgen, um nicht immer nur im stillen Kämmerlein Musik zu machen.

Das war allerdings nicht die einzige Verantaltung, die ich in den letzten Wochen besucht habe. Astrid und ich haben es tatsächlich auch dieses Jahr wieder in ein Konzert geschafft. The Axis of Awesome haben ihrem Namen durchaus Ehre gemacht (auch wenn das ganze nach knapp neunzig Minuten schon wieder vorbei war). Ein weiteres Highlight war, mit Astrid, Frauke und den Kids Lawrence von Arabien im Residenz-Kino anzuschauen. Ein tolles Geburtstagsgeschenk und ein auch sonst so schöner, sonniger Tag - eine Woche nach meinem Geburtstag - dass wir noch lange gemütlich bei einer Shisha am Friesenplatz saßen.

Überhaupt: Schöne sonnige Tage. Zwei Wochen in Wien zu arbeiten hat auch sein Gutes, denn im Gegensatz zu sonst, wenn man nur ein oder zwei Tage auf Dienstreise ist, konnte ich bei bestem Wetter jeden Abend in Wien spazierengehen, die Schnitzelwirte ausprobieren und schöne Kneipen finden.

Vorher war ich auch noch in München, natürlich auf dem Oktoberfest. Teamevent und so. Da war das Wetter jetzt nicht so super, aber das ist zum Glück ziemlich egal, wenn man den Tag vorrangig im Zelt verbringt. Es waren ein bisschen gemischtere Gefühle. Klar, nach einer Weile kommt man rein und hat auch Spaß, aber die ständige Erinnerung daran, dass wir letztes Jahr eine tolle Zeit auf der Wiesen verbracht haben und zwei Wochen später das Team ohne Vorwarnung komplett auseinandergerissen wurde war irgendwie immer dabei.

Dann noch ein Highlight: Ich war mit Eva bei der Backers-Premiere von "Wish I Was Here", dem neuen Film von Zach Braff. Das war nicht weniger als fucking awesome. Nicht nur wegen des Filmes an sich - der ist absolut wunderbar und sollte seit 9.Oktober in Deutschland laufen, schaut ihn euch an! - sondern weil der Zoo Palast ein Hammer-Kino ist, Zach Braff ein Hammer-Typ, der sich richtig viel Zeit genommen hat, nach dem Film noch gefühlte tausend Fragen zu beantworten und weil so viele tolle Leute dort waren, die ich viel zu selten sehe und immer nur im Internet Kontakt zu haben ist ja auch nicht erfüllend.

Hab ich vorhin schon was von Geburtstag gesagt? Ja, den hatte ich auch schon wieder. 46 ist so ein Alter, wo man langsam wieder Angst vor der nächsten Null bekommt, die in irrsinniger Geschwindigkeit auf einen zu rast. Insoweit hat mir die viele Action der letzten vier Wochen tatsächlich geholfen, hier nicht in irgendwelche Krisen zu stürzen.

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September 18 2014

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Wish I Was Here - Backers Premiere in Berlin, Germany, Sep 15th 2014

September 13 2014

10 Bücher

Stöckchen-Zeit! Per Facebook diesmal, von Mirja. Es geht darum, zehn Bücher zu nennen, die einen großen Einfluss auf mich hatten. Das müssen - so verstehe ich die Aufgabe jedenfalls - weder meine Lieblingsbücher sein oder solche, die ich gerne empfehlen würde, sondern die irgendwie zu meiner Biografie gehören. Finde ich eine schöne Idee. Allerdings funktioniert das nicht in einem Facebook-Status mit einer Liste von 10 Titeln ohne die Information, warum ausgerechnet dieses Buch hier aufgezählt wird. Ich interessiere mich viel mehr für die Geschichte hinter den Titeln. Daher leg ich mal etwas vor. Hier also meine 10 Bücher und die Geschichten dahinter.

1. Das große Peanuts Buch (Charles M. Schultz)

(jedenfalls müßte es das gewesen sein, herausgegeben 1972 kommt jedenfalls hin, um die Zeit haben mein Bruder und ich uns das Lesen beigebracht.)
Dieses Buch steht stellvertretend für einige Bücher mehr, die ich immer und immer wieder gelesen habe, wenn wir bei unserer Tante und Kusinen zu Besuch waren. Ich liebte natürlich alle Geschichten mit Snoopy und zitiere auch heute noch regelmäßig daraus ("DEN HUND BERÜHRT!"), was heute freilich kaum jemand mehr versteht. Was das tollste an diesem Buch war: Es war irrsinnig dick und nicht wie andere Comic-Bücher in einer viertel Stunde durchgelesen. Man konnte sich locker ein, zwei Stunden darin versenken.

2. Himbeereis und weiße Mäuse (Erna Funck-Neuville)

Grundschule, zweite Klasse. Unsere Nachbarin, in die ich mit 5 Jahren mächtig verknallt gewesen bin, schenkte meinem Bruder dieses Buch und es dürfte daraufhin bei uns beiden zum sicher meistgelesenen Buch geworden sein. Ich hab es mindestens 50 mal gelesen - sehr oft mehrmals hintereinander. Viel später erst habe ich bemerkt, wie viel meiner ständigen Subversivität ich diesem Buch zu verdanken habe.

Was ich bis heute großartig daran finde ist, dass es konsequent aus der Sicht eines Drittklässlers geschrieben ist und dem lesenden Kind an keiner einzigen Stelle unterschwellig eine "erwachsene" Moralvorstellung verkauft wird. Außerdem habe ich vor einigen Jahren von der Autorin eine Ausgabe geschickt bekommen, zu einem geradezu idealen Zeitpunkt, als es mir mal extrem schlecht ging.

3. ??? und der schreiende Wecker (irgendein Ghostwriter)

Das erste drei Fragezeichen-Buch, das ich gelesen habe. Fünfte Klasse, müßte also 1978 unterm Weihnachtsbaum gelegen haben. Danach kamen noch ungefähr zwanzig weitere, aber das hier war bis zum Schluss mein Lieblingsbuch, weil es - zumindest in meiner damaligen Wahrnehmung - das spannendste und ernsthafteste von allen gewesen ist. Irgendwann wurde die Serie immer flacher (oder ich älter) und ich wechselte das Genre von Krimis zu zu SciFi und Fantasy.

Mit den Hörspielen, die ja viele so toll finden - bin ich übrigens nie warm geworden, die gabs aber auch erst, nachdem ich schon aufgehört hatte, die Bücher zu lesen.

4. Haie und kleine Fische (Wolfgang Ott)

Es war 1979, ich war fast Elf und es waren die Sommerferien, bevor ich ins Gymnasium gekommen bin. Ich wollte für einen Urlaub ein dickes Buch und habe von Wolfgang Ott "Haie und kleine Fische" gekauft. Und zwar nur deswegen, weils das dickste Buch war, das ich für Sieben Mark Achtzig bekommen habe. Aber ich habs auch wirklich gelesen und erinnere mich gut daran, dass ich vor allem von der Beschreibung des Kriegsalltags beeindruckt war und wie sich normale Menschen in so einer Zeit verhalten. Die Sexszenen las ich dagegen nur mit etwas distanziertem Interesse, das fand ich wohl nicht so spannend.

5. Transit nach Scorpio (Kenneth Bulmer a.k.a. Alan Burt Akers)

Eigentlich ist das ja eine ganze Reihe von Büchern. Eine Fantasy-Geschichte, die - wie ich inzwischen weiß - ziemlich dreist von Edgar Rice Burroughs John Carter-Büchern abgekupfert ist. War mir damals aber nicht bewusst. Ich habe in Lohr im dortigen Gymnasium das große Glück gehabt, dass es dort erstens eine riesige Leihbibliothek gab und zweitens der Bibliothekar ein großer SciFi- und Fantasy-Nerd gewesen ist. Daher gabe es dort eine entsprechend gut sortierte und üppige Abteilung mit allen Klassikern und den wichtigsten Autoren und Autorinnen des Genres. Die habe ich alle dort kennengelernt: Heinlein, Clark, Tanith Lee, Moorcock, de Camp, you name it.

Die Scorpio-Bücher von Bulmer/Akers waren dort auch vorrätig und so konnte ich ohne viel Geld auszugeben, das ich eh nicht hatte, eine ansonsten unerschwinglich lange Buchreihe durchziehen. Die Story ist banal, chauvinistisch und alles andere als Weltliteratur. Aber es ging darum, dass jemand aus seiner Zeit und seiner Welt in eine andere versetzt wurde - eine der Monomyth sehr ähnliche Exposition - und dieses Motiv ist für einen Nerd in der siebten Klasse, der zu dieser Zeit sehr hart mit Mitschülern und dem Internatsleben kämpfte, natürlich extrem reizvoll.

6. Standbein, Spielbein (Axel Maria Marquard)

Ein kleines Gedichtbuch, das ich irgendwann mal während meines Zivildienstlehrganges in Trier gekauft hatte, völlig zufällig, weil ich gerade irgendein Buch kaufen wollte. Aber die Gedichte waren so derartig eingängig, dass ich mir viele von ihnen schon nach ein, zwei mal lesen merken konnte. Ein wenig absurd, ein wenig lakonisch, immer irgendwie lustig allein schon der Sprache wegen, begleiten mich die Gedichte dieses Buches schon seit nunmehr fast 25 Jahren. Teile davon sind in meinen normalen Sprachgebrauch eingegangen ("geh schlaf", "Müde sich am Morgen heben meine Lider, senken ob der Sorgen diesen Tags sich wieder.", "Das liegt am Tabaksdunst, am Qualm. Jetzt fehlt mir schon der Reim auf Qualm.") .

Was leider tragisch ist: Ich weiß nicht mehr, wo das Buch ist und ich hätte es so gerne wieder.

7. Worte ohne Lieder (Georg Kreisler)

Das hab ich mir gekauft, weil ich dachte, das ist sicher lustig. Kreisler mochte ich schon länger, allerdings kannte ich ihn halt als schwarzhumorigen Liedermacher. Die Kurzgeschichten und Essays in diesem Buch sind aber zum größten Teil ganz anders. Es sind nachdenkliche, sogar schöne, bittersüße und hoffnungsvolle Texte, die einem beim Lesen das Gemüt streicheln und einem dann gut tun, wenn man mal alleine ist. Zumindest ging es mir so.

Ich hab ehrlich gesagt, keine große Erinnerung mehr an den Inhalt, nur an die Wirkung, die dafür sorgte, dass ich das Buch eine ganze Zeit lang gerne immer wieder in die Hand genommen habe um ein, zwei Geschichten zu lesen. Ich hab daher keine Ahnung, ob die Texte heute noch so funktionieren würden.

8. Der Hexer von Salem (Wolfgang Holbein)

Ich hab so ein seltsames Verhältnis zu Holbein: Einerseits ist er einfach mal kein guter Autor. Viele seiner Bücher haben eine gute - aber irgendwo immer ein wenig abgekupferte - Grundidee, die er aber in den seltensten Fällen zu einem befriedigenden Ende führt. Dann ist da sein legendär beschränkter Wortschatz und die sich ständig wiederholenden Beschreibungen (man hat den Eindruck, dass er ganze Absätze immer und immer wieder benutzt) und auch die Protagonisten scheinen immer irgendwie dieselben zu sein. Dennoch kann ich mit seinem Hexer was anfangen.

Das mag daran liegen, dass diese Bücher ursprünglich eine Heftchenromanreihe waren und man schon dadurch keine Hochliteratur erwartet sondern eine Art TV-Serie in Schriftformat. Als solche funktionieren sie nämlich gut. Ein paar einfache Helden, Spannung, hin und wieder ein comic relief, das ganze eher trashig/pulpig, aber nie dumm oder unlogisch. Was ich natürlich mochte, war die Einbettung in den Cthulhu-Mythos - Lovecraft selbst ist ja sogar einer der ständigen Sidekicks des Hexers - und die selbstverständliche Art und Weise, mit der Magie und Okkultismus beschrieben wurde, ohne irgendwelche langwierigen Erklärungen. Das lief mir damals gut rein, wir hatten ja nichts - im Prinzip deckten die Hexer-Bücher damals die Bedürfnisse ab, die ich mir heute mit TV-Serien wie American Horror Story, Sleepy Hollow oder Supernatural befriedige.

9. Mister Aufziehvogel (Haruki Murakami)

Mein Verhältnis zu Murakami hab ich schon mal im Blog beschrieben. Das hat sich nicht geändert, vor kurzem habe ich 19Q4 gelesen und entgegen der vorherrschend schlechten Kritik hat auch das wieder die typische Wirkung gehabt.

Mister Aufziehvogel ist für mich aber immer noch das Buch, das mich am meisten beim Lesen nach und nach aus meiner Welt in eine andere, im ersten Moment fremde, nach einer Weile aber eine viel persönlichere, geschoben hat. Und da habe ich festgestellt, dass ich das mochte, weil man sich darin plötzlich nicht erklären oder mit anderen abgleichen musste. Ein sehr befreiendes und befriedigendes Gefühl.

10. Last Call, Tim Powers

Ein toller Roman über Poker, Tarot, Götter- und Gangsterfamilien. Wenn ich eines dieser zehn Bücher empfehlen sollte, dann wäre es dieses. Daher möchte ich darüber gar nichts verraten. Das sollte man doch lieber selbst lesen. Was es mir gebracht hat? Ein paar kleine, aber wichtige Veränderungen meiner Einstellung zu Prinzipien, Geduld und Moral. Poker ist kein Spiel.

Jetzt werf ich weiter, aber ich ändere ein wenig die Regeln. Erstens: Ich bin altmodisch. Stöckchen gingen immer nur an drei Menschen weiter, nicht an zehn. Zehn ist typisch Facebook: Es macht alles extrem oberflächlich. Und zweitens: Ich möchte schon gerne etwas über die Gründe lesen, warum die Bücher zu eurem Leben gehören. Anders macht die Aufgabe doch gar keinen Sinn.

Und hepp, ich werfe weiter zu Frauke, Thomas und auch noch mal an Mirja, weil es mich interessiert, wie sich Deine Liste erklärt.

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August 28 2014

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