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May 18 2015

Warum wir Überwachung nicht verhindern werden, wenn wir nicht etwas anderes grundlegend ändern...


Bild: Emily Helen

1.

Auf der re-publica unterhielt ich mich mit jemandem, der für eine Studie Hartz-4 Empfänger interviewte.

Er erzählte, dass jede von ihnen einen guten Grund hatte, auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein: Der eine ist zu alt für seinen Job, die andere ist zu lange krank gewesen, der nächste kann die Gegend nicht verlassen in der es einfach keine Jobs gibt, die nächste hat einen Beruf, der heute nicht mehr benötigt wird. Und so weiter. Er sagte, es kam eigentlich heraus, was zu erwarten war: Auch Hartz-4 Empfänger sind ein ganz normaler Querschnitt der Bevölkerung was Schulbildung, Ausbildung oder Studium, Familienverhältnisse oder sonstige biographische Eigenschaften angeht.

Soweit, so erwartbar.

Was auch erwartbar war, war das Gefühl dieser Menschen, zu Unrecht stigmatisiert zu sein und von Ämtern und Behörden überwacht und gegängelt zu werden.

Was dann aber überaschte war, dass sie zwar alle ihre eigene Situation realistisch beschrieben haben, aber bei der Bewurteilung der anderen Interviewkandidatinnen komplett daneben zielten: Ihr Wunsch, nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden galt nämlich absolut nicht für die anderen da draußen im Wartezimmer. Die seien ja genau die Schmarotzer und Faulenzer, wegen denen das Sozialsystem so versagt und die nehmen ihnen, die berechtigt auf Hilfe angewiesen sind, das Geld, die Chancen und den guten Ruf weg.

Jeder Einzelne von ihnen war dieser Meinung.

2.

Cory Doctorow erklärte - ebenfalls auf der re-publica - warum wir den Kampf gegen Überwachung verlieren werden. Ein wichtiger Punkt (von mehreren): Menschen sind Misstrauisch. Sie wollen zwar selbst nicht überwacht werden, aber sie sagen im gleichen Atemzug, dass es leider nötig ist, alle anderen zu überwachen.

Wir sind nicht gerade dabei, durch Überwachung die Gesellschaft mit dem Prinzip der Unschuldsvermutung in eine Gesellschaft  mit dem Prinzip des Generalverdachts zu verwandeln. Die Überwachung ist lediglich ein Symptom und das Ergebnis dessen, dass diese Gesellschaft sich schon längst geändert hat.

Die Idee, dass die Überwachung aller Menschen etwas notwendiges sei, hat traurigerweise eine Mehrheit und Solidarität und Vertrauen gilt nicht mehr als Wert sondern als romantische und naive Schwäche!

3.

Eine Kusine von mir postete letztens einen NPD-Spruch in Facebook. Demnach würden für Flüchtlinge Millionen ausgegeben werden, die bei Schulen und Rentnern eingespart würden. Natürlich ist das völliger Unsinn und populistischer Quatsch. Wir könnten problemlos sowohl wesentlich mehr Flüchtlinge aufnehmen, als auch gleichzeitig Schulen sanieren und bessere Bildung ermöglichen und wir könnten Rentnern auch mehr Geld geben.

Aber warum sollte man das tun, wenn man doch anscheinend die, die zu kurz kommen, so wunderbar gegeneinander ausspielen kann? Wenn das sogar dazu führt, dass sie dann die wählen oder denen blindlings folgen, die von dieser Situation profitieren und den Teufel tun, daran auch nur irgendetwas zu ändern?

So lange Menschen glauben, dass sie zu kurz kommen weil Menschen, die ebenfalls zu kurz kommen Schuld daran sind, wird sich da wenig ändern und schlecht gelaunte Menschen neidisch auf andere schlecht gelaunte Menschen schimpfen.

 4.

 Eins der Argumente, das ich immer höre, wenn es um das Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" geht ist, dass dann ja niemand mehr arbeiten würde und dass es ungerecht sei, wenn andere - im Gegensatz zu einem selbst - nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiteten sondern "alles" geschenkt bekämen.

Natürlich lautet die Antwort auf die erste Gegenfrage "Wie, Du würdest dann nicht mehr arbeiten?" - "Nein, ich würde auf jeden Fall weiter arbeiten. Aber alle anderen nicht und das ist ja dann ungerecht." und es ist ihnen seltsamerweise auch nicht zu erklären, dass ja jeder, also auch sie, dieses Grundeinkommen beziehen würden, zusätzlich zu dem, was sie durch ihre Arbeit verdienen.

Was mir hier jedes mal auffällt ist diese sehr seltsame Sichtweise, nach der man anscheinend einen nicht tolerierbaren Nachteil davon hat, dass andere etwas bekommen, wenn sie nicht dieselbe Vorstellung davon haben, warum sie es "verdienen". Lieber lehnen sie also das BGE für sich selbst ab, als dass das zur Folge hat, dass andere dasselbe bekommen.

5. Ich könnte noch mehr Beispiele aus verschiedenen weiteren Themenbereichen geben:

- Warum geht es wohl bei Schulreformen nicht weiter (was wirklich traurig ist)?  

- Datenschützer wollen jetzt angeblich auch Menschen töten (Das dürfte die perfideste Idee sein, um Datenschutz zu diskreditieren und natürlich klappt es, wenn man die Kommentare liest, die diese schrecklichen "Datenschützer" gerne am nächsten Baum baumeln sehen würden).

- Diese einer Demokratie völlig unwürdige Art und Weise, wie man heutzutage auf Streiks reagiert, sei es der Bahnstreik oder der Streik der ErzieherInnen: Ich bin entsetzt über den ungezügeltem, offenen Hass aus komplett unreflektiertem, purem Egoismus, der noch dazu völlig verantwortungslos von Medien aufgestachelt und von Politikern legitimiert wird.

Ich glaube inzwischen ist es nicht mehr schwer, das Muster zu erkennen. Oder? Ich erinnere mich jedenfalls an Leute, die sowas vorhergesagt haben, als Helmut Kohl in den Achtzigern begonnen hat, das Solidaritätsprinzip konsequent zu vernichten (und Schröder den Staffelstab übernommen hat und geradewegs weitergemacht hat).

Wenn wir nicht hier ansetzen sondern glauben, es reicht doch, sich dafür einsetzen, dass unser schönes, gemütliches Internet schön und gemütlich bleibt und der Rest der Menschen um uns herum geht uns nichts an, haben wir kein besseres Internet verdient als das, das wir am Ende bekommen.

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May 08 2015

...but why the fuck did 7.000 people sing the Bohemian Rhapsody at the end of the re:publica?

In 2010 the re:publica already was on the way to become a big and relevant player. We were 2.700 people and i can only guess, but i think i don't speculate too much if i say that this was the year, we all realized, that the re:publica is not very far away from stopping to be a wonderful yearly class reunion of the people who created the german internet culture from below (actually it started as a german blogger gathering) becoming one of the most important events for europes net politics, culture and originating, organized and maintained from and for citizen.

Why is this so important?

Because even at that time and with this scale still no NGO, no political party, no media- or other company created this event. The re:publica still was "our" festival and "we" got it there and we were determined to hold that ground strongly.

And this is something i'm not getting tired to tell everyone: We german net people may have a lot of differences and we may not at all be that homogenous "Netzgemeinde" that we are viewed as and called from bystanders and media. But we created this event that got bigger year by year, that grew out of a small blogger community joined by twitterers, hackers, makers and instead of adding "relevant business groups" giving the largest platform for activists for all sorts of civil rights like womens rights, refugees rights, freedom of speech in all countries, anti surveillance initiatives and so much more.

And to get back on track: i think, 2010 was the year we all knew, that we will grow out of the comfort zone of being underestimated very soon. Soon was two years later, when the re:publica left the then too small confines of the Kalkscheune and Friedrichstadtpalast and changed it's location to the Station, giving place for the massive growth into the event, 7.000 people witnessed the last three days.

But we took something with us, that is very important: A reminder of where we come from. A small gesture, a moment of Goldigkeit. And this is singing the Bohemain Rhapsody together as a very loud, massively emotional karaoke. And if you wonder why people are hugging and crying and awkwardly sniffing and why they sing with broken voices and nevertheless as loud as they possibly can, it's because this is a reminder and a promise, that the re:publica always was and always will be ours.

For the final session of the re:publica 2010 Johnny prepared a Skype-Interview with Vincent Stone from Twitter that didn't work out: He chattet live on the stage with an assistant who obviously played for time. It developed into a hilarious funny dialogue but in the end Johnny told her that we're done waiting and hung up. Then he told us, that he has that old dream to do a karaoke with at least 1000 people and since we are that many in the room... well, how about it? He made some jokes about Vincent Stone trying to reach us on Skype and we wouldn't see it because we are all singing but what the hell, let's sing.

And so a fully packed room began to sing along to an old, stuttering karaoke video of Queen's Bohemian Rhapsody on Youtube that is long erased there. It was awkward and funny and we immediately knew that if we do this again next year we will start a wonderful, wonderful tradition, even when they tried to get along without it one year.

To prove, that this is not just a nice legend - at last there can't be more than 1.000 people out of those 7.000 that really have been there - i can show you that all of this really happened:

re:publica 2010 singt "Bohemian Rhapsody" from Carta on Vimeo.

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April 17 2015

April 03 2015

"Facebook ist der Schminkspiegel des Internets", oder: Ypsilon ist das X für ein U

2006 musste man als bekannter Werbechef nicht unbedingt ganz weit vorne sein, wenn es darum geht, das Internet und seine Nutzer zu verstehen. Als Dienstleister zur Produktion bunter Bilder zum Anpreisen von Mainstream-Produkten reichte es aus, den Mainstream zu kennen. 2006 waren der Mainstream nicht: Blogs. Daher war er offenbar so überrascht von ihrer Existenz, dass er damit berühmt wurde, sie komplett fehl zu interpretieren. Es nannte sie "Klowände des Internet" und glaubte, Blogger seien anonyme Kellernerds.

Da von allen Menschen, die damals irgendwas ins Internet schrieben, ausgerechnet Blogger am wenigsten anonym noch im Keller herumvegitierende Techniknerds waren (wir hatten alle damals schon ein Impressum, viele bloggten mit Klarnamen und schon damals war das Alters- und Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen) gab es für Herrn von Matt ordentlich Gegenwind. Und es war innerhalb der Werbebranche auch nicht wenig peinlich, denn als jemand, der von Berufs wegen Zielgruppen kennen sollte lag er ja echt mit allem daneben.

Neun Jahre sind vergangen. Viel Zeit, um zu lernen, aufzuholen, sich ein Bild zu machen. Seit damals gibt es viele neue Plattformen: Twitter, Youtube, Facebook (und Messenger: Das Hauptkommunikationsmedium im Internet, das lustigerweise keiner unserer Werbespezis auf dem Schirm hat) und vor allem schreiben nicht mehr nur ein paar Bloggerinnen und Blogger ins Netz sondern wirklich alle.

Da sollte man meinen, dass er sich inzwischen etwas besser informiert hat.

Tja:

Ich erinnere an Ihr legendäres Zitat „Blogs sind die Klowände des Internet“. Das war vor neun Jahren. Damals gab es Facebook in Deutschland noch gar nicht. Heute hat dessen Wall zuweilen aber durchaus Ähnlichkeit mit einer Klowand.

Von Matt: Nein, ganz und gar nicht, denn Facebook funktioniert ja praktisch nur mit Klarnamen. Mit meinem Zitat war das Denunzieren und Diffamieren im Schutze der Anonymität gemeint, das man bei Kommentaren in Blogs und Foren erlebt. Und wenn dieser Satz keinen Nerv getroffen hätte, wäre er nicht sogar in der „New York Times“ zitiert worden. Facebook ist aber alles andere als eine Klowand, eher der Schminkspiegel des Internets.
(Quelle: Horizont)

Ich drösele mal Satz für Satz, denn die Wahrheit ist natürlich eine andere:

1. Dass Facebook praktisch nur mit Klarnamen funktioniert ist eine geradezu herzige Fehlannahme, der man aber gut auf den Leim gehen kann - wenn man Facebook nicht selbst verwendet und glaubt, was deren Marketingabteilung Werbern und werben wollenden erzählt. Allein in meiner Kontaktliste sind ein gutes Drittel der Namen Pseudonyme. Klarnamen nutzen vor allem die Älteren.

Dass Facebook - momentan wieder verstärkt - offensichtlichen Pseudonyme zur Angabe ihrer Klarnamen zwingen will stimmt zwar, aber das sorgt lediglich für viel mehr Fehlinterpretationen, denn die Leute schreiben dann eben "echt klingende" Namen hin und man erkennt somit hinterher nicht mal mehr direkt, dass es sich um ein Pseudonym handelt. Menschen, die glauben, man kann Nutzer mit "echten" Namen ernster nehmen als Nutzer mit offensichtlichen Pseudonymen lassen sich dadurch auch ganz wunderbar ins Bockshorn jagen.

2. Das Zitat auf die Kommentare unter Blogbeiträgen umzumünzen war damals schon ein durchschaubarer Trick: Er hat sich damals einfach über die Blogs geärgert, die seine bescheuerte "Du bist Deutschland"-Kampagne massiv kritisiert und durch den Kakao gezogen haben. Das waren ganz klar Blogs, nicht Kommentare und genau so hatte er das damals auch gemeint und geschrieben. Ich bin seit dem Kindergarten nicht mehr mit "Aber ich habe gemeint..."-Formulierungen durchgekommen, wenn ich mal was dummes gesagt habe. Aber das ist in der Scheinwelt der Werbung wohl anders.

3. Ui, die New York Times hat ihn zitiert (das ist auch schon wieder lustig, wie er damit seit Jahren hausieren geht - man findet jede Menge Medien-Artikel von damals, nur nichts in der NYT). Stimmt, die internationale Presse hatte ihn als Beispiel für einen Medien-Menschen herausgestellt, der den Anschluss an die Digitalisierung verpasst hat, davon überrascht wurde dass die Öffentlichkeit mit dem und im Internet eine Stimme bekommen hat und dann ganz altmodisch onkelig beleidigt war. Tolle Leistung. Aber auch das ist ja in der Werber-Welt egal: Da glaubt man ja sogar heute noch daran, dass jede Form der Aufmerksamkeit was Gutes ist.

4. Facebook ist sicher für den ein oder anderen auch mal ein "Schminkspiegel", aber offensichtlich verwechselt von Matt seine Filterbubble (oder die der Menschen, die er gefragt hat, was sie eigentlich in diesem Facebook machen) mit dem Rest der Welt. Facebook ist ein soziales Netzwerk. Die meiste Kommunikation darin findet - Überraschung - nicht öffentlich sondern in Gruppen, in auf Freunde beschränkten Profilen und vor allen Dingen in persönlichen Messenger-Nachrichten statt (hier befindet sich zum 2.Mal in diesem Artikel ein Tipp). Der neue Vergleich sagt also wie damals schon viel mehr über den Blick von Werbern aus, die Menschen als eine Art unterhaltungssüchtige Schafherde betrachtet, der sie nur an den richtigen Stellen auflauern und mit ihren "Botschaften" füttern muss.

Die ausgewiesenen Facebook-"Schminkspiegel" nennen sich Facebook-Pages und werden meistens für und von Menschen betrieben, die irgendwas in der Öffentlichkeit tun. Und das ist dann Werbung. Erstaunlich, dass er nicht mal in seinem eigenen Metier... aber auch das hatten wir ja schon.

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April 02 2015

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Unpacking Elite: Dangerous Backer Special Editition

March 30 2015

Das Jahr stolpert

Das erste viertel Jahr ist rum und irgendwie schleppte es sich sehr anstrengend voran. Ich habe immer noch nicht das Gefühl, dass es irgendwie spürbar "losgegangen" ist. Stattdessen bestanden der Januar und der Februar aus viel zäher Arbeit und vielen Themen, deren Zeit irgendwie noch nicht gekommen zu sein scheint.

Letzte Jahr hat mich der FAWM aus der Trägheit geholt, aber dieses Jahr war auch das nicht drin: Gerade mal eineinhalb Beiträge sind es geworden. Allerdings gefällt mir der eine, der es bis zur "kann man sich anhören"-Reife geschafft hat, ganz gut:

Zu meiner Einreichung für die re:publica hat sich auch noch niemand gemeldet (ich nehme an, das wird nichts mehr, aber ich fand das Thema eigentlich ganz gut, auch wenn's nicht das war, was ich eigentlich vorhatte).

Aber: Nächste Woche ist Urlaub und wir fliegen nach Edinburgh. Wenn das keine Gelegenheit für das Jahr ist, endlich mal in Schwung zu kommen, weiß ich auch nicht...

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March 21 2015

Prost-Post

Ein Stöckchen über Trinkgewohnheiten (und wo's auch irgendwelche Regeln gibt, die ich ignoriere). Alkoholische Getränke zu sich zu nehmen und das mit dem Wort "Gewohnheit" zu verknüpfen ist in meinem Fall zwar fast nicht möglich - ich trinke dazu viel zu selten und schon gar nicht regelmäßig Alkohol - aber ich mag die Fragen trotzdem.

1. Was ist dein liebster Drink?

Milch. Ok. Es geht um Alkohol. Dann White Russian. Aber Dude-Style, also mit Milch.

2. Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken?

Als kleines Kind, nehme ich an. Ich war ja oft in der Rhön, wo unsere Großfamilie lebt und da geht schon mal eine ordentliche Menge Bier weg so über den Tag. Klar, dass man da mal neugierig dran nippt. War aber wenig überzeugend, wie eigentlich jedes Kind hab ich das nicht gemocht.

3. Welchen Drink hast du am meisten bereut?

Warschau 1988. Wir waren auf einer Austausch-Reise eine Woche zu Gast und jeden Abend gabs Wodka satt. Der war aber nicht das Problem. Das war der Krim-Sekt in dem Becher, der genau so aussah, wie der, aus dem ich vorher den ganzen Abend Wodka getrunken habe. Ein versehentlicher Schluck und mir war sofort klar: Das geht nicht gut aus. Ging es auch nicht.

4. Bar oder Kneipe?

Ist mir egal. Da wo es gemütlich ist und wo man in guter Gesellschaft ist.

5. Champagner oder Schaumwein?

Auch egal. Ich mag nur nicht zu süß und noch weniger, wenn's im Mund schäumt. Im Prinzip genau so wie bei Cola. Ich bin was Sekt und anderes Prickelwasser angeht einfach gestrickt. Außerdem trinke ich Sekt und Schampus eh nur wegen irgendeinem Anlass und ganz selten mal nur von mir aus.

6. Mit wem würdest du gerne trinken?

Da muss ich etwas ausholen: Ich habe gerne mal das Problem, dass ich gerade dann, wenn mir Menschen sympathisch sind oder ich sie für tolle Dinge die sie tun oder weil sie einfach so großartig sind, bewundere, sehr gehemmt bin, ihnen das zu sagen und "locker sein" ist schon gar nicht drin. Was dann gut funktioniert ist ein Glas Wein. Man sagt ja, dass Alkohol entspannt oder entkrampft - genau so ist es. Ein Glas Wein hilft mir über die ansonsten unüberwindliche Schwelle, mit dem Gegenüber ein ganz normales und unverkrampftes Gespräch führen zu können.

Also: Ausgehend davon, dass hier nach Menschen gefragt wird, die ich noch nie persönlich getroffen habe, aber es gerne mal täte würde ich gerne mal ein Glas Wein mit Jeff Bridges und Michelle Pfeiffer trinken. Am liebsten mit beiden zusammen. Ich würde auch einfach nur zuhören, wie sie sich unterhalten. Wenns etwas weniger Fanboy sein soll und mehr, weil sie mich mit immer wieder den Dingen beeindrucken, die sie tun, schreiben oder sagen oder weil ich glaube, dass sie einfach sehr coole Menschen sind: Mit Neil Gaiman, mit Anke Engelke, mit Oliver Kalkofe oder mit Laurie Penny.

7. Bei wem würdest du gerne trinken?

Wenn ich die Antworten woanders lese geht es hier um bestimmte Locations oder eben Kenner, bei denen man interessante Getränke in der Hausbar vermutet. Leider hab ich bei beidem so wenig Ahnung, dass ich das nicht beantworten kann. Wobei, nicht ganz: Bei Stefan kann man auch ganz gut Whisky trinken.

8. Wie sieht deine Hausbar aus und was ist das Kostbarste darin?

Tatsächlich habe ich einige wirklich leckere Whiskys in meiner kleinen Glasvitrine. Mit Whisky (schottisch) kenn ich mich sogar wirklich ein bisschen aus. Der kostbarste davon dürfte ein Blackadder raw cask sein. Der steht auch schon sehr, sehr lange bei mir und das Wachs um den Korken wird daher auch nur sehr selten gelöst.

9. Beschreib deine Eiswürfel.

Ganz normale Eiswürfel aus ner Plastikform. So rechteckig.

10. Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung?

Ich empfehle, dass man sich dazu an Freunde wendet, die sich damit gut auskennen. Zum Beispiel an Herrn Jahnke.

11. Wie bekämpfst du deinen Hangover?

Hab ich - zumindest wegen Alkohol - schon ewig keinen mehr gehabt. Was aber gut funktioniert ist Kaffee mit Zitrone.

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February 27 2015

Dear Mr Nimoy

Sie waren einer der Helden meiner Kindheit. Ich liebte Raumschiff Enterprise und zwar wegen Ihnen. Ihre Figur Spock war - und das wurde mir erst sehr spät bewusst - für mich ein Role Model im besten Sinne: Sie verstanden viel von Dingen, Prozessen, Zusammenhängen und wenig von dem, wie sich die Menschen um Sie herum verhielten. Aber Sie stellten sich nie arrogant über andere, was ja schnell passieren kann. Sie zeigten mir, dass Freundschaften, Respekt, Akzeptanz und Toleranz auch gelebt werden können, wenn man Schwierigkeiten hat, die Umgebung zu verstehen oder wenn die Umgebung Schwierigkeiten hat, Sie zu verstehen. Das ist eine unglaubliche Leistung, die Sie als Schauspieler abgeliefert haben und ich glaube, dass Sie selbst das auch erst später und im Nachhinein bemerkt haben.

Ich habe von dem, was Sie jenseits von Star Trek als Schauspieler gemacht haben, nicht mehr viel mitbekommen. Aber gerade in den letzten zehn Jahren sind sie mir wieder Nahe gekommen, denn Sie haben das Internet für sich entdeckt und in den letzten Jahren vor allem Twitter und Youtube genutzt, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Und sie haben ganz in Ruhe Ihr Weltbild gezeigt: Es ging immer um Genau dieselben Themen, die schon damals wichtig waren: Freundschaft, Respekt, Akzeptanz und Toleranz. Und zusätzlich um Geduld und Optimismus.

Ihr letzter Tweet strahlt auch das alles wieder aus und ich werde mich daran halten. Einerseits die wertvollsten, perfekten Momente in guter Erinnerung zu halten, aber ihnen auch nicht nachtrauern. Es kommen neue. Dennoch, heute trauere ich ein wenig und erinnere mich gerne an Sie.

LLAP

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February 25 2015

Glückwunsch, herzlichen.

Heute ist also, ich weiß aber nicht, weil ich zu faul bin, obwohl ich weiß dass ich das eigentlich, weil ich ja gerne auch Quellen für Themen, in denen ich mich nicht so gut wie ich müsste, um wirklich sinnvoll mitzureden, auskenne, checke, müsste, nachzusehen, aus welchem Grund, der Tag der Schachtelsätze.

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February 21 2015

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Historically Accurate Disney Princesses

February 15 2015

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Elite: Dangerous - Das Tagesgeschäft

January 30 2015

Wie schafft man neue Narrative und Argumentationen?

Jetzt hab ich doch was für die re-Publica eingereicht. Meine ursprüngliche Idee, mal aufzuzeigen, wie exakt und vollständig Tracking heutzutage schon funktioniert - war leider zu ambitioniert, das verständlich aufzubereiten hab ich mir am Ende nicht in der notwendigen Detailliertheit zugetraut. Aber mich treibt in letzter Zeit - vor allem durch viele Diskussionen rund um Pegida und Charlie Hebdo - ein anderes Thema um, nämlich die Hysterisierung und Entsachlichung von Argumentationen und dass es Zeit ist, gegen die neue Welle des Überwachungswahns endlich mal Narrative zu entwickeln, die wirklich greifen können.

Kurzthese:

Die Kommunikation in diesen Tagen ist oft geprägt von ungünstigen Kommunikationsprinzipien: Grundsätzliche Polarisierungen und Formulierungen als entweder/oder Entscheidungen blockieren schon im Ansatz eine pluralistische Meinungsvielfalt, verhindern Dialogmöglichkeiten und Konstruktivität. Ich stelle Ansätze vor, Narrative zu entwickeln, die diese Fehler nicht machen: Z.B wie erkläre ich, dass Internetüberwachung jeden Menschen angeht? Wieso ist "und" stärker als "oder"? Wie formulieren wir Ziele, die nicht mit "Gegen" anfangen oder mit "verhindern" aufhören?

Beschreibung:

Die Kommunikation in diesen Tagen ist oft geprägt von ungünstigen Kommunikationsprinzipien: Grundsätzliche Polarisierungen und Formulierungen als entweder/oder Entscheidungen blockieren schon im Ansatz eine pluralistische Meinungsvielfalt, verhindern Dialogmöglichkeiten und Konstruktivität. Natürlich ist da eine Absicht dahinter, denn die Idee ist natürlich, Alternativlosigkeit herzustellen und das geht am einfachsten, wenn es nur eine gute und eine schlechte Möglichkeit gibt, ein Problem zu lösen. Aber es spaltet, denn eine Partei muss dann immer vollständig verlieren.

Ein weiteres Problem für Narrative - speziell wenn es um Überwachung geht - stellt die Fokussierung auf einzelne Medien ("Betrifft nur eine Minderheit. Ich schreibe eh nur 3 E-Mails im Jahr"), technische Details ("Deep Packet Inspection? Kapiert doch eh keiner und ist doch nur Nerdkram.") oder extreme Einzelfälle ("Du willst also Terroristen und Kinderschänder einfach frei rumlaufen lassen?") dar: Das verstellt den Blick aufs Wesentliche: Es geht doch darum, dass wir nicht mehr miteinander reden können, ohne dass jemand zuhört.

Ich stelle Ansätze vor, Narrative zu entwickeln, die diese Fehler nicht machen: Z.B wie erkläre ich, dass Internetüberwachung jeden Menschen angeht? Wieso ist "und" stärker als "oder"? Wie formulieren wir Ziele, die eben nicht mit "Gegen" anfangen oder mit "verhindern" aufhören (und warum sollten wir darauf achten)?

Auch Argumente werden auf verschiedenste Weise entwertet, verdreht oder emotionalisiert: Wenn Politiker z.B. sagen "Wir müssen die Ängste ernst nehmen!" tun sie genau das Gegenteil, weil sie damit sachliche Kritik in eine irrationale Emotion verwandeln. Diese und weitere Standards der Diskussionsvermeidung will ich vorstellen und auch Vorschläge machen, darauf zu reagieren. Und zu zeigen, dass das umgekehrt auch gut funktionieren kann.

Anmerkung:

Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, das auch als Panel zu machen, habe aber noch niemanden angefragt (Die Idee kam mir gerade erst beim schreiben). Als TeilnehmerInnen würden mir beispielsweise spontan Anne Roth (als Expertin zum Thema Netzpolitik, Privacy, Überwachung) und Katharina Nocun (die mir im LNP-Podcast das erste Mal wirklich verdeutlicht hat, wo bei TTIP die Probleme liegen) einfallen. Maha würde auch zum Thema passen, wenn es um rethorische Spitzfindigkeiten geht und darum, wie man die kontern kann.

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January 22 2015

Totalüberwachung: Warum der Kampf gegen Verschlüsselung ein gutes Zeichen ist

Vor einiger Zeit geisterte das Narrativ durch die Netzwelt, die Snowden-Enthüllungen hätten ja nichts geändert. Ich hatte daraufhin ein anderes Bild aufgemacht: Nur weil es keine allgemeine Empörung gibt, heißt das nicht, dass nichts passiert. Es heißt erst mal nur, dass das Thema sich nicht für eine plötzliche allgemeine Empörung eignet.

Meine Vermutung war, dass sich Bewusstsein langsam aber stetig seine Bahn in die weniger netzaffinen Bereiche der Gesellschaft bahnt (und daher auch keine allgemeine Empörung zu sehen war). Ich merkte an, dass EntwicklerInnen und IngenieurInnen schon begonnen hatten, ihre Apps, Dienste und Hardware sicherer zu machen und dass Cryptografie nicht als Add-On sondern als Standard in neuen Produkten und Diensten erwartet und auch geliefert wird. Und dass das nur etwas Zeit benötigen wird, denn sowas wird ja nicht von einem Tag auf den anderen fertig. Aber wenn sogar der unsicherste und dennoch verbreitetste Messenger WhatsApp Verschlüsselung einführt und ausbaut, dürfte klar sein, dass wir uns bei der Anforderung, dass unsere private Kommunikation wieder vertraulich zu sein hat, nicht in einer Nische befinden.

Der Artikel ist vom 3. Juli. Das was ich darin beschreibe, war meiner Meinung schon sehr sichtbar, aber konkrete Wirkungen eventuell noch nicht. Jetzt aber sind sie es auch. Indirekt.

Der Britische Premierminister Cameron verlangt das Verbot von Verschlüsselung. Barak Obama laviert sich zu einer ähnlichen Aussage. Heute nun kommen auch unsere deutschen Minister mit der Forderung daher, dass "Sicherheitsbehörden" (also Geheimdienste), Verschlüsselungen umgehen können müssen.

Was sagt uns das?

Zunächst mal was Gutes, nämlich: Die Geheimdienste, die Jahre lang jederzeit auf unsere Kommunikation zugreifen konnten, geht inzwischen offenbar schon so viel davon durch die Lappen, dass sie sich genötigt fühlen, bei ihren Dienstherren zu quengeln. Weiter noch: Wenn es jetzt schon so weit ist, dass man nach gesetzlichen Regelungen sucht, um Verschlüsselungen verhindern oder umgehen zu können, dann ist die "Aufrüstung" von uns BürgerInnen schon so weit gediehen, dass der technische Aufwand, unsere Kommunikation doch wieder irgendwie einzufangen, zu hoch ist, um das ohne Gesetze zu stemmen.

Es ist auch deswegen ein gutes Zeichen, weil erstens noch lange nicht jeder verschlüsselt und wir zweitens noch lange nicht am Ende der technischen Möglichkeiten sind, um Geheimdienste daran zu hindern, uns abzuhören. Und doch ist schon jetzt der Moment erreicht, an dem sie Schwierigkeiten bekommen.

Wie panisch man da wohl ist, zeigt sich auch an der löchrigen Argumentation, die zurechtzulegen man sich - um den Anschlag in Paris als Fahrwasser nicht zu verschenken - offensichtlich so beeilt hat, dass man den Widerspruch nicht mal versucht hat zu kaschieren, der sich aus der Behauptung ergibt, dass man ja Abhörmaßnahmen nur mit strengen richterlichen Auflagen und im Extremfall durchführen will, während ja jeder weiß, dass sie uns doch schon längst und jetzt gerade ganz ohne irgendwelche Legitimation abhören.

Die Logik wird ab diesem Punkt auch nicht mehr schlüssiger, im Gegenteil: Wer wirklich übles vor hat - und darum ginge es ja nur: absolute Extremsituationen - wird abhörbare Kommunikationsmedien einfach von vorneherein gar nicht erst verwenden oder sich einen Teufel um gesetzliche Vorgaben scheren und seine Kommunikation eben doch ordentlich verschlüsseln. Das heißt im Effekt, dass die Komplettüberwachung am Ende jeden Menschen überwacht, nur nicht die, zu deren Überwachung das alles angeblich gemacht wird.

Ich glaube daher, dass es für uns alle wichtig ist, den beschrittenen Pfad weiter zu verfolgen:

1. Es als Selbstverständlichkeit zu betrachten und zu propagieren, dass Verschlüsselung benutzt wird wenn immer das möglich ist.

2. Bei der Auswahl von Tools, Apps, Services immer diejenigen zu bevorzugen, die die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer und ihrer Daten Ernst nehmen und für die entsprechende Standards selbstverständlich sind.

3. Bei der Entwicklung von neuen Tools und Produkten schon von Beginn an für sichere Verbindungen und Schutz davor, ausspioniert zu werden zu sorgen, so dass das nicht nachträglich langwierig umgebaut werden muss oder Nutzer erst noch eigene Maßnahmen drumherumbauen müssen, damit sie ihre Privatsphäre behalten.

Eine Bitte an Journalisten: Wenn ihr die Gelegenheit habt, mal einen dieser Herren, die da gerade rund gehen, eine Frage zu stellen, dann stellt ihnen bitte mal diese:

"Vor über einem Jahr, als bekannt geworden ist, dass uns die US und UK-Geheimdienste abhören und unsere Geheimdienste ihnen dabei helfen, haben sie gesagt, der Bürger müsse sich selbst darum kümmern, dass seine Kommunikation verschlüsselt wird. Jetzt tut er genau das und nun wollen Sie Verschlüsselung verbieten oder unterlaufen. We Te Eff, Herr Minister?"

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January 09 2015

Dresden

Ich war in den Siebzigern und Achtzigern als Kind zwar nicht regelmäßig, aber doch wohl öfter in der DDR als viele meiner Altersgenossen. Allerdings war das vor allem im Norden, rund um Rostock. In Berlin oder in anderen bekannten Städten wie Leipzig, Halle und Dresden war ich erst nach dem Mauerfall. Berlin by the way musste sogar am längsten warten. Da war ich tatsächlich nie vor 2001.

Was man eventuell auch schon feststellen konnte wenn man mich ein wenig kennt ist, dass ich gerne Städtereisen mache. Das liegt daran, dass Städte sehr unterschiedliche Charaktere haben. Es gibt natürlich auch immer Statdtteile, in denen bestimmte Ausprägungen stärker oder schwächer sind, aber es gibt auch immer eine gemeinsame Atmosphäre, die sich über eine ganze Stadt zieht und die in jeder Stadt unterschiedlich ist.

Berlin ist zum Beispiel in meiner Wahrnehmung immer etwas aufgeregt. Neugierig. Und verpeilt. Hamburg kommt - sorry - vor allem distanziert und arrogant rüber. Köln ist kumpelig und zuweilen prollig, immer ein bisschen alkoholisiert. 

Ich will aber jetzt nicht alle Städte durchgehen und ich merke auch direkt schon, dass das mit ein zwei Begriffen umschreiben zu wollen nicht funktioniert und schnell klischeeig wird. Ich wollte aber damit erklären, dass ich bei der Wahrnehmung einer Stadt so vorgehe wie wenn ich Personen einschätze: Ich versuche bewusst, Eigenschaften zu entdecken, die ich mit Gefühlen verknüpfen kann, um mit ihnen eine Beziehung herstellen zu können (und mir merken zu können, wer das ist. Sonst vergesse ich das nämlich direkt wieder). Das geht wesentlich weiter als drei Worte. Das sorgt dafür, dass Edinburgh mir immer das Gefühl gibt, total Willkommen zu sein und Dresden das, jetzt aber besser mal ganz vorsichtig zu sein.

Bei Dresden war das wirklich von Anfang an so seltsam. Denn eigentlich ist die Stadt doch sehr schön: Es ist nicht eng, es gibt schöne Gebäude, es ist hell und immer, wenn ich da war, war der erste Eindruck der Menschen dort ein eher relaxeder und unaufgeregter. Aber irgendwas war seltsam. Schon beim ersten Mal als ich dort war fühlte ich mich unbehaglich. Es lag nämlich etwas in der Luft, was ich mir nicht erklären konnte und mir das Gefühl vermittelte, es sei besser, hier bloß nichts falsches zu sagen oder mich zu auffällig zu bewegen. Es passte nie zu dem, was ich jeweils tatsächlich gesehen habe, daher habe ich das eine Weile als Fehlwahrnehmung ignoriert.

Aber mit jedem Besuch dort - und ich war sehr oft in Dresden, z.B. bin ich vor ein paar Jahren über Monate beruflich alle zwei Wochen hingeflogen - war es wieder da. Eine unterdrückte Aggression, die irgendwo hinter den alten Fassaden lauerte. Die aufgestellten Nackenhaare kamen immer wieder, die ständige Hab-Acht-Alarmiertheit ging einfach nicht weg. Seltsam, wo die Menschen, mit denen ich dort direkt zu tun hatte, allesamt nett und freundlich waren und ich mich - soweit das für Arbeitsbekanntschaften gelten mag - auch immer freute, sie zu sehen.

Ich empfand es als ungerecht, immer wieder froh gewesen zu sein, die Stadt wieder verlassen zu können, aber es war so: Die Atmosphäre der Stadt machte mir Unbehagen, ob ich wollte oder nicht. Und es verschwand sofort, wenn ich wieder fort war.

Heute nun las ich einen Blogartikel von Peter Richter, der sich mit Dresden und seinen Erinnerungen daran beschäftigte und ich fand darin Formulierungen, die dieses Gefühl, das ich mit Dresden verbinde, ziemlich genau beschreiben.

Es gibt einen anderen Teil in dieser Stadt, der ist ganz und gar nicht gemütlich, sondern in einem Maße hektisch und aggressiv, dass es Auswärtige, und nicht nur die, oft mit der Angst bekommen. In Dresden hatte man damals, als sich aus der Randale, die ersten Demonstrationen formten, das Gefühl, dass die Kirchenleute und die sogenannten bürgerlichen, besonneneren Kräfte die Sache nicht so sehr anführen, sondern eher eindämmen mussten. (...)

Das - und der Rest seines lesenswerten Beschreibung der Stadt - ist auf eine beunruhigende Art beruhigend, denn ich erkenne die Stimmung der Stadt, wie sie sich mir darstellt, darin wieder und habe nun endlich auch ein paar Hinweise, warum das so ist. Dass Dresden irgendwie anders und eigen ist, haben mir auch schon viele Menschen, unter anderem auch Dresdner, bestätigt. Aber so eindeutig beschrieben habe ich es erst heute zum ersten Mal bekommen.

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January 05 2015

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Kölns OB Roters auf der "Köln steht sich Quer" Demo

January 01 2015

2015 dann...

Ich erinnere mich in den letzten drei, vier Jahren vor allem daran, sehr oft müde gewesen zu sein. Müde im Sinne von "Alles was erledigt werden muss, geschafft - alles was ich aufschieben kann, aufgeschoben." Und den inneren Akku dabei wieder bis 10% verbraucht, so dass abends nicht viel mehr drin ist als im Internet rumzuklicken oder TV-Serien zu schauen.

Irgendwas muss sich daran ändern. Dringend. Unter den aufgeschobenen Dingen sind (neben denen, die ich einfach nicht mehr schaffe wie Steuern und die Bude mal richtig aufzuräumen) vor allem die, die ich für mich selbst gerne machen würde. Eigentlich nicht so schwierige Dinge wie ein Familientreffen zu organisieren, mit dem Podcast zu starten oder einen Urlaub zu planen.

Total weit weg sind ganz andere Wünsche: Mal beruflich was richtig neues zu machen. Irgendwas, was viel mehr mit mir selbst zu tun hat. Ich unterdrücke seit langem so viele Interessen, aber mir fehlt bei den meisten Themen einfach der richtige Startpunkt. "Von Null" starten? Nein. Ich fühle mich zu alt für einen langen, anstrengenden Neuanfang und ehrlich gesagt will ich das auch nicht, weil ich eigentlich nicht mehr langwierig beweisen will und muss, was ich kann oder weiß. Ich bin nicht mehr 25 und auf der Suche nach einer Herausforderung. Ich bin 45 und auf der Suche nach einer sinnvollen und befriedigenden Aufgabe. Aber es fehlt die richtige Gelegenheit. Der Einstieg an der Stelle, die okay ist.

Was ich inzwischen auch gut kann ist "Fels in der Brandung" sein. Darauf bin ich auch stolz. Ich habe meine kleine erweiterte Familie, die mir wichtig ist. Kinder, Freundinnen, Freunde. Menschen, die wissen: Ich gehe nicht weg, ich mache keine wilden Sprünge, ich flippe nicht aus und ich werde nie Drama machen. Wenn woanders Drama ist, kann man zu mir kommen und sich ausruhen. Ich verurteile niemanden, den ich einmal ins Herz geschlossen habe. Selbst wenn man mal weit weggeht, bin ich immer noch da wenn man wiederkommt. Das ist meine Superheldenfähigkeit: Einfach da sein. 

Die will ich auch behalten. Es hilft mir, mich zu erden und in einer Form menschlich zu sein, die mir selbst gut gefällt. Aber ich bin dadurch anscheinden zu passiv und genügsam mir selbst gegenüber. Ich habe keine Ahnung, wie ich das ändern kann. Realisitischerweise nutzt es auch nichts, mir jetzt zu sagen, das ändert sich 2015. Vielleicht tut es das, vielleicht aber auch immer noch nicht. Aber die letzten sieben Jahre vergingen wie im Flug. Für die nächsten sieben wäre es schon angebracht, dass ich am Ende einiges signifikant anderes mache als heute. Das ist kein Vorsatz, eher ein Wunsch.

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December 22 2014

Fragebogen 2014

Ich erinnere mich, wie ich diesen Fragebogen letztes Jahr ausgefüllt habe und dabei sehr bewußt versucht habe, mich nicht zu sehr von der Stimmung beeinflussen zu lassen, die in dem Moment gerade vorherrschte. Denn es ging ja um das gesamte Jahr und nicht nur um die letzten zwei Monate. Wie sehr mich die Auflösung unseres Kölner Büros getroffen hatte, erkannte ich auch erst im Februar und auch wie lange es für mich dauern würde, wieder in den Tritt zu kommen, war damals für mich nicht absehbar.

Dennoch: Im Nachhinein kommt mir das Fazit letztes Jahr viel zu unbedarft und auch ein wenig naiv vor. Die Auswirkungen davon haben dieses Jahr maßgeblich bestimmt. Und zwar in fast allen Bereichen, denn es gab nahezu keine Zeit, in der ich nicht damit beschäftigt war. Einerseits emotional, weil ich sehr enttäuscht und sehr verärgert über diese unnötige Entscheidung war (und zum Teil noch bin). Andererseits natürlich wegen der Notwendigkeit, wieder einen Status und eine Rolle zu finden, mit der ich wieder Fuß fassen konnte.

Erst im Oktober ist mir das gelungen. So lange war ich für meine Lieben wahrscheinlich nicht der Partner, Vater, Freund, wie ich es gerne gerwesen wäre. Und doch sind alle bei mir geblieben und haben viel Geduld mit mir gehabt. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

(Hier auch wieder die Rückblicke auf 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003)

Zugenommen oder abgenommen? Da mir die Anzughosen, die ich mir letztes Jahr gekauft habe, viel zu weit geworden sind, hab ich wohl abgenommen.

Haare länger oder kürzer? Anfang des Jahres lang, dann für meine Verhältnisse sehr kurz und übers Jahr wieder länger.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Gleich geblieben. Zum Glück. Die letzten Jahre wurde es ja permanent schlechter mit dem nah sehen.

Mehr bewegt oder weniger? Etwas mehr, sicher noch immer zu wenig. Eventuell fühle ich mich aber auch nur fitter, weil der Verfall der letzten Jahre gerade  mal etwas Pause macht.

Mehr ausgegeben oder weniger? Sehr wenig für mich selbst. Quasi gar nichts im ersten halben Jahr, um den Status Quo nicht zu gefährden. Die laufenden Kosten sind erheblich gestiegen.

Der hirnrissigste Plan? Dieses Jahr war extrem vernunftgeprägt. Die Auswirkungen der Veränderungen Ende letzten Jahres haben sich bis Oktober hingezogen und ich hatte keinen Kopf für hirnrissige Pläne. Ich würde gerne mal wieder was hirnrissiges planen. Vielleicht nächstes Jahr.

Die gefährlichste Unternehmung? Meine persönliche Situation dieses Jahr war heikel genug, da war kein Platz für noch mehr Risiken. Was nicht bedeutet, dass ich nichts gemacht habe, im Gegenteil. Aber zusätzliche Gefahr brauchte ich dazu nicht.

Der beste Sex? War der, der mich für einige Momente aus dem Laufrad geholt hat und mich meine Unsicherheit vergessen ließ, die dieses Jahr vorherrschend gewesen ist.

Die teuerste Anschaffung? Dieses Jahr gab es nichts teures. War auch nicht nötig, ich hätte mich darüber im Nachhinein auch mehr drüber geärgert als gefreut.

Das leckerste Essen? War ein unglaublich gutes Schokoladensouflée. 15 Minuten völlige Begeisterung auf der Zunge. Wenn ich nur dran denke, verzückt es mich direkt schon wieder.

Das beeindruckenste Buch? Homeland, Cory Doctorow. Nicht, weil es besonders meisterhaft geschrieben ist, sondern weil es (wenn man bedenkt, dass es schon letztes Jahr herauskam und somit sicher seine Zeit für Recherche und aufschreiben gedauert hat) so viel von dem vorweggenommen hat und wahrscheinlich auch noch mehr von dem vorwegnimmt, was jetzt gerade passiert.

Der ergreifendste Film? The Frame.

Die beste CD? Westwind. Auch wieder erfolgreich über eine Crowdfunding-Aktion finanziert. Braucht mir also keine Musikindustrie erzählen, das Internet sorgt dafür, dass es weniger gute Musik gibt und dass keiner dafür zahlt.

Das schönste Konzert? Das CD-Release Konzert der Singvögel. So viel Spaß hatte ich echt lange nicht.

Die meiste Zeit verbracht mit...? Über Wasser bleiben.

Die schönste Zeit verbracht damit...? ...1. Mit Lewin aufs Drachenfest zu fahren. 2. Mit Frauke Serien zu gucken. 3. Musik und andere Hobbies, auf die ich zum Glück nicht verzichtet habe.

Vorherrschendes Gefühl 2014? Nicht ich selbst zu sein. Ganz neue Selbstzweifel. Das Gefühl, gegen den Strom ans Ufer schwimmen zu müssen. Das alles mit einem - zugegebenermaßen nicht selten eher grimmigen - bewussten Optimismus im Griff zu behalten und weiterzumachen.

2014 zum ersten Mal getan? Nicht so viel, es waren irgendwie viele dejá vu Momente, allerdings hab ich viele davon weitaus besser gemeistert als früher. Vielleicht hab ich dann zum ersten Mal bewusst einen Vorteil des Alters erkannt: Erfahrung zu haben ist viel Wert.
Oh, und ich hab Istanbul besucht.

2014 nach langer Zeit wieder getan? Über einen langen Zeitraum eisern gespart.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? 1. Der lange Aufenthalt in dieser beruflichen Zwischenwelt, was mir den größten Teil des Jahres immer irgendwie im Nacken saß. 2. Das mit dem Podcast nicht geschafft zu haben den ich so gerne machen wollte. 3. Nach all dem Scheiß fast ein Jahr zu brauchen, um wieder an die Stelle zu kommen, wo ich vor zwei Jahren schon mal war.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Dass man mich nicht unterschätzen sollte.  Ich habe mich sehr bewusst von den ärgerlichen Entwicklungen von Ende letzten Jahres nicht ins Abseits drängen lassen sondern an das, was letztes Jahr gut war anzuknüpfen und z.B. dieses Jahr gleich drei erfolgreiche Vorträge auf verschiedenen Veranstaltungen halten oder ein Fachblog begonnen, das ganz gut aufgenommen wird.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Schultern zum Anlehnen. Zuspruch. Trost. Optimismus. Ich habe so viele wunderbare Menschen in meinem Leben, die mir in diesem Jahr so gut getan haben und denen ich sehr dankbar bin.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? "Zeigs ihnen!"

2014 war mit 1 Wort...? Was ist das Gegenteil von Ponyhof? Genau das Wort dann.

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December 12 2014

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November 17 2014

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