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November 09 2016

Wie die Etablierten das Vertrauen verloren haben

Ich habe mich lange gegen den in letzter Zeit inflatorisch aufkommenden Begriff des "postfaktischen" gewehrt. Ich tue das immer noch, aber ich erkenne an, dass es inzwischen immer öfter diese gefühlte Wahrheiten gibt, gegen die mit Fakten oder differenzierenden Argumenten anzureden oder anzuschreiben unmöglich ist. Und ich erkenne auch an, dass diese gefühlten Wahrheiten schneller entstehen, als verschwinden, weshalb ihre Anzahl steigt und man das Gefühl hat, gegen eine immer stärker ansteigende Strömung anzuschwimmen.

Da ich kein Freund von monokausalen Erklärungen bin, hier nun vorab der Hinweis: Worüber ich hier schreibe ist meines Erachten ein Grund dafür, dass Populisten gerade leichtes Spiel haben. Es gibt noch mehr, an ganz vielen verschiedenen Baustellen. In der Politik, in den Medien, in der Bildung, in der Gesellschaft und bei jedem von uns ganz persönlich. Ich greife nur eine heraus, weil ich heute danach gefragt wurde und mir die Beschäftigung damit half, das Gefühl der Taubheit und Wut zu überwinden, das mich nach dieser Präsidentenwahl in den USA den ganzen Tag im Griff hielt.

Die These ist: Es gibt zwei wichtige Gründe, warum etablierte Medien (bzw eigentlich generell das Establishment) uns nicht mehr erreichen.

Erstens: Wir vertrauen uns gefühlt näheren Quellen und Informationen - also solchen, die uns von Menschen die uns nahe stehen (entweder weil verwandt oder befreundet oder weil sie ideologisch auf derselben Wellenlänge sind) vermittelt werden - mehr als weiter entfernten, sprich nicht persönlich an mich gerichteten Massenmedien.

Zweitens: Wir vertrauen Quellen, die "schneller" sind als andere. Schon allein wegen des Umstandes, dass sie dann "erster" waren und weil alle anderen danach erst gegen diese Position konkurrieren müssen.

Den ersten vertrauen wir, weil da eine persönliche oder ideologische Nähe besteht, die einen Vertrauensbonus mitbringt. Den zweiten, weil sie einfach die ersten und schnellsten sind, die ein Thema benennen und besetzen und wir uns das als etwas positives merken, ganz egal wie faktisch korrekt sie das tun.

Ein Problem, das wir als Konsumenten von Informationen und Meinungen bekommen, taucht dann auf, wenn wir ein Nullsummenspiel bei der Vergabe von Vertrauen machen. Es gibt dann einen Vertrauensverlust gegenüber "etablierten" Medien. Der Fehlschluss ist die Annahme, dass unser Vertrauen eine endliche Ressource mit einer definierten Menge sei. Wenn man dann sein Vertrauen schon in die Freunde/Personen oder an die schnellste Quelle gegeben hat, muss man - in der Nullrechnung - logischerweise etablierten Medien das Vertrauen entziehen.

Das ist das grundsätzliche Problem, das jegliches "Establishment" momentan hat. Und das Folgeproblem ist, dass Informations-Konsumenten die Funktion eines etablierten Mediums als Hilfe zur Normerkennung nicht mehr kennen und nicht mehr nutzen bzw. letztendlich nicht mehr anerkennen. Aber es ist eigentlich wichtig, dass es Medien gibt, über die ich abgleichen kann, wie weit meine Ansicht, meine Meinung oder meine Informationen von der Norm abweicht. Früher hat man die Tagesschau gesehen, um auf einen gemeinsamen Wahrnehmungsstand zu kommen. Natürlich war man dann auch unterschiedlicher Meinung, aber man wußte eben auch, was momentan der etablierte Konsens war (Daran, dass diese Funktion, einen Faktenkonsens zu bieten, so schnell verloren ging, sind unsere Medien aber zum Teil schon ganz ohne Digitalisierung mit schuld, weil sie vor einiger Zeit schon die Grenze zwischen Fact- und Opinionpieces nicht mehr klar trennten).

Das alles ist eigentlich noch nicht schlimm: So lange die Fakten stimmen und solange die Diskussionen differenziert sind und solange die Motive transparent sind, funktioniert die neue, schnellere und persönliche Informationsvermittlung auch, wenn die Medienkompetenz den Fehler des Nullsummenspiels nicht korrigiert.

Das Dumme ist nur, dass die Fakten nicht stimmen, die Diskussion nur schwarz-weiß stattfindet und die Motive alles andere als transparent sind. Womit wir plötzlich bei eine postfaktischen Kommunikation sind - basierend auf falschen oder übertriebenen Fakten, polarisierenden und damit rein emotional geführten Diskussionen ohne Chance auf Kompromisse und hidden Agendas, die die "Information" nur noch als Mittel zu einem anderen Zweck benutzt.

Tabuisierung und Ausgrenzung von gesellschaftlich inakzeptablem Verhalten hat ja funktioniert und das wird deswegen auch heute noch als Reaktion von Politik und Medien eingesetzt. Da gab es aber die neuen Medien mit den oben beschriebenen zwei Mechanismen noch nicht und Demagogen und Populisten haben Wege gefunden, das zu nutzen und dadurch einen Ausweg aus dem gesellschaftlichen Tabu und der Ausgrenzung zu schaffen. Nicht umsonst nutzen sie Begriffe wie "Denkverbote", "Nazikeule" oder beginnen ihre Sätze mit "Das muss man wieder sagen dürfen..." und nennen die Instanzen, die sie auf ihre Übertretung gesellschaftlicher Anstandsgrenzen hinweisen "Gutmenschen" und "Lügenpresse". 

Diese Wege sind genau die beiden Mechanismen, die ich oben beschrieben habe: Die persönliche Nähe und die Erstbesetzung von Themen: Die Geschwindigkeit erreichen sie damit, dass die AfD-Leute, sobald irgendwas ängstigendes passiert, sofort mit allem was sie haben einfeuern. Damit sind sie schneller als alle anderen, die sich erst mal absprechen oder recherchieren. Den Vertrauensbonus, den ich erwähnte, holen sie sich damit aber schon mal ab, auch wenn hinterher rauskommt, dass es gar nicht gerechtfertigt war (deswegen ja immer die "Mausrutscher", die hinterher gelöscht oder relativiert werden - das ist bis dahin ja verbreitet.). Auch Trumps getwittere füttert diese Mechanik.

Die persönliche Nähe schaffen sie damit, dass sie die etablierten Medien als Zwischenstation auslassen und sich direkt an die Menschen richten. Sie springen dabei auch immer auf ideologische Teilthemen, die gerade passen und im Gespräch sind, sei es EU-Kritik, Griechenland, Flüchtlinge, Impfskepsis, konservative Werte (Genderwahn, Sexualerziehung, Abtreibung)... das nehmen die nur als Trittbrett, die stehen da in Wirklichkeit gar nicht dahinter, was man ja daran sieht, dass sie sie nie wieder erwähnen, wenn sie aus dem Diskurs verschwunden sind (siehe Griechenland). Das erzeugt einen sofortigen Rapport bei denen, die sie erreichen wollen und sie erodieren damit das Vertrauen in etablierte Medien und Politik, was das eigentliche Ziel ist. Denn das Nullsummenspiel sagt uns ja: Wenn Du denen vertraust, misstraust Du den anderen.

Soweit die Erklärung, warum passiert, was passiert. Nun ist die Frage, wie man diese Mechanismen entschärfen kann. Drei Antworten:

1. Nicht mit den üblichen coolen Strategien, die aus dem Marketing entlehnt werden oder von smarten Business-Consulting-Agenturen kommen. Hier geht es um echte und ernsthafte Kommunikation, um ehrliches Umdenken, um innovatives Anders machen. Da helfen keine Kampagnen, keine lustigen Bildchen, keine intelligenteren Social Media Redakteure. Hier muss man an die Strukturen gehen, mit denen man Informationen und Themen erkennt, darüber recherchiert und sie kommuniziert.

2. Individuell: Wenn man glaubt, es lassen sich für Parteien, Medien, Verlage, Sender, NGOs usw. jeweils Standardlösung finden, wird das nicht klappen. Man muss die hundert Prozent passende für jede einzelne Institution entwickeln. Sie kann nicht am Reißbrett entstehen und dann im Unternehmen "implementiert" werden sondern sie muss gemeinsam mit all denen entwickelt werden, die sie verwenden.

3. Man kann nicht so tun, als ob man was ändern möchte. Man kann es nicht mal testweise versuchen. Man muss es tun, ganz oder gar nicht. So häufig ich für Mittelwege und Kompromisse plädiere, aber hier ist ohne ein gemeinsames, ehrliches, konsequentes, verbindliches Bekenntnis keine Veränderung möglich.

 
 

October 03 2016

Ein Podcast und ein LARP am Start

Am Freitag war ich fleißig und habe gleich zwei Webseiten und zwei Facebook-Pages veröffentlicht. Der Launch der Webseite für das Zeitgeist-LARP war tatsächlich auch geplant. Die Deadline, die wir uns vorletzte Woche für die Veröffentlichung des Teasers gesetzt hatten, war der 1.Oktober und Deadlines einzuhalten ist etwas, das mir sehr viel Befriedigung verschafft.

Befriedigung ist etwas, was mich sehr mutig macht. So in der Art "wenn das so gut hingehauen hat, dann könnte ich ja auch noch um was anderes kümmern, das ich bisher immer wieder aufgeschoben habe". Also habe ich mit Sven auch noch einen Podcast aufgenommen, die Webseite dafür hingestellt und den Podcast am selben Abend veröffentlicht.

Zunächst aber mal zum Larp. Das wird nämlich was größeres: Wir werden im Sommer 2017 eine sehr aufwändige Veranstaltung auf die Beine stellen und das wird nichts geringeres sein, als das erste internationale - sprich englischsprachige - Larp in Deutschland, das auf einer völlig neuen und eigenständigen Idee von Tina Leipold und Larson Kasper basiert. Das ganze wird in den Achziger Jahren spielen und behandelt die damals relevanten Themen: Politisch sind das zum Beispiel der kalte Krieg, Chernobyl und die Ausbeutung der dritten Welt. Von der Handlung her bedienen wir uns aus der Popkultur, man spielt zum Beispiel abenteuerlustige ArchäologInnen und Teams, die Geister jagen.

Wenn man den Teaser sieht (für den Sven Design und Musik umgesetzt hat), sollte man erkennen, wo es hingeht:

Wir sind mit einem Kernteam von neun Personen dran und rechnen mit etwa 30 Personen, die am Ende an der Veranstaltung mitarbeiten. Wir werden aufwändige Props und Kulissen haben, überlegen uns schon jede Menge technische Tricks und es wird vorab sehr viele schöne Aktionen geben, um die Mitspieler richtig gut einzustimmen. Aber dazu mehr, wenn es soweit ist. Spätestens am 1.Dezember wird man sich verbindlich anmelden können (um das nicht zu verpassen, gibts schon mal einen Facebook-Termin zum abonnieren) und auch mehr darüber erfahren, was einen erwartet.

Wie gesagt, ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert und dass Trailer, Webseite und Facebook-Page pünktlich online waren, befriedigte mich ungemein und wenn ich zufrieden bin, werde ich motiviert. Da ich während der Arbeit daran ohnehin schon mit Sven im Austausch war, habe ich also erwähnt, dass ich eigentlich auch endlich mal das Thema Podcast in Angriff nehmen könnte, jetzt wo es gerade so schön läuft. Da ich das seit fast drei Jahren versuche und auch schon zwei mal erfolglos angesetzt hatte, würde es auch Zeit, dass das endlich mal klappt. Meine Idee ist vor drei Jahren die gewesen, mich mit vielen unterschiedlichen Menschen zu unterhalten, die ich so kenne. Menschen, die tolle Sachen machen und sich mit interessanten Themen beschäftigen. Das kann eigentlich nur toll werden und das soll auch eher wirklich sich unterhalten sein, nicht interviewen. Das Problem war aber bei den vorherigen Versuchen, dass einfach zu viel Zeit ins Land geht, bis so ein Gespräch organisatorisch zustande kommt.

Was bislang gefehlt hat, war einfach eine Person, mit der ich eine Regelmäßigkeit erreichen kann, ohne dass das Aufwand macht und eigentlich bin ich bescheuert, dass ich nicht früher drauf gekommen bin, einfach meinen Bruder zu fragen, mit dem ich ohnehin mindestens ein mal die Woche einen Abend wegtelefoniere. Und so gibt es nun auch - endlich - den Podcast namens "We Know Kung Fu".

Ein Podcast und ein LARP am Start

Die erste Ausgabe ist sicher kein echtes Highlight, weil wir noch mit Technik kämpfen (zB das leichte Dröhnen in den letzten 15 Minuten meiner Spur, das einfach so plötzlich einsetzte obwohl es das die vorangegangenen eineinhalb Stunden nicht gab) und durch die Spontaneität der Aufnahme auch keine Vorbereitung stattfand. Aber das macht ja auch nichts, so viele Leute werden das ja noch nicht hören und bis sich das Publikum mal entsprechend vergrößert hat sind wir ja auch routinierter geworden, nehme ich an.

Aber wir haben gemerkt, dass uns das Plaudern liegt und wir das definitiv jetzt öfter machen werden. Allein bei diesem eher improvisierten Podcast, in dem es vor allem über die Diskussionskultur im Netz geht, sind uns schon drei oder vier weitere Themen eingefallen, die wir bereden können (Zum Beispiel, wie es in einem von katholischen Mönchsorden geführten Jungeninternat so zugeht).

August 29 2016

So ein paar Jahre

Wir kennen uns nun seit etwa 29 Jahren. Wir haben uns gut verstanden, konnten gut miteinander reden und haben angefangen, gemeinsam etwas zu unternehmen: Mal ein Konzert, mal eine Party, mal in ein Museum oder ins Theater und auch mal eine Reise nach Polen. Irgendwann auf dem gemeinsamen Weg war klar, dass wir wohl zusammen sind. Das passierte einfach, ganz langsam und ohne dass Du oder ich irgendwie bewusst in diese Richtung gedrängt hätten - zumindest nicht, dass mir das bewusst wäre. Manchmal hat einer von uns natürlich mal getestet, wo wir wohl stehen und haben es einfach irgendwann nicht mehr anders bezeichnen können. Das muss spätestens so Ende 1989 gewesen sein.

Wir haben studiert, Du in Koblenz, ich in Heidelberg. Ich bin regelmäßig zu Dir nach Koblenz gefahren und Du zu mir in unsere WG. Das war einerseits eine tolle Zeit, mit viel Freiheit (und dummerweise kaum Geld), neuen Freunden, interessanten Dingen zu tun... wir waren zusammen einen Monat in Ägypten und zwei der ersten, die die gerade erst für Touristen freigegebene Oase Siwa besuchen konnten. 1993 waren wir noch mal so lange in Syrien und Jordanien. Wir haben immer gut zusammen reisen können. Wir konnten überhaupt sehr viel gut zusammen machen. Ich fand das immer toll, wie Du Dich in neue Themen und Wagnisse gestürzt hast und habe mich hin und wieder dabei gefragt, ob ich Dir nicht irgendwann zu langweilig werde, weil ich mich nicht genauso spontan und enthusiastisch in Abenteuer stürze.

Das nächste größere Abenteuer war dann aber ein gemeinsames: Ein Kind zu kriegen, als Studenten mit 24 Jahren. Da waren wir aber schon eine Ewigkeit zusammen und für mich bestand da kein Zweifel, dass wir das schaffen. Ich glaube, für Dich auch nicht. Ich erinnere mich daran, wie schön die Schwangerschaft war. Wie Du vor dem Spiegel gestanden hast, wie wir Fotos gemacht haben. Und es war auch am Ende alles machbar. Alles hat geklappt. Aber wie schon vorher ist alles irgendwie passiert, nichts war geplant. Alles war im Fluss, hätte so oder anders kommen können, aber so wie es kam war es auch gut.

Wir haben dann heute vor 19 Jahren geheiratet. Sohn Nummer 1 war 4 Jahre alt. So lange hat es gedauert, bis wir irgendwie an dem Punkt ankamen, dass das mit dem heiraten wohl jetzt besser sei, denn es wird doch sonst ziemlich kompliziert - damals wäre es für mich sonst nicht mal möglich gewesen, ihn ohne eine schriftliche Vollmacht vom Kindergarten abzuholen oder zum Arzt zu begeiten. Haben wir halt geheiratet. Weder in weiß noch mit dem ganzen Pomp sondern so ein bisschen in unserem Stil: Axel und die Band spielen Irish Folk, wir organisierten eine bunte Mischung aus Kuchen und Häppchenbuffet, Achim verwandelte eine ziemlich triste Halle in einen großartigen, mit Schwarzlicht illuminierten Dschungel zum tanzen. Es war am Ende eine lockere Party, an die wir uns jedes Jahr erinnern, sobald sich Lady Dis Todestag jährt - denn die Nachricht von ihrem Unfall hörten wir brandfrisch gegen vier Uhr früh auf der Heimfahrt im Radio.

Wir haben beide einen Beruf gestartet. Wir haben das zweite Kind bekommen und sind umgezogen, weil die Wohnung zu klein wurde. Ich habe einen Job in Neu-Isenburg gefunden, als der alten Firma die Luft ausging. Mehr Geld, noch größere Wohnung. Aber es wurde dennoch irgendwie immer enger. Wir haben das nicht so gemerkt und ich überspringe die Details, weil ich schon mal darüber geschrieben habe. Wichtig ist aber: Auch da passierte das alles irgendwie. Auch da haben wir nicht bewusst geplant oder gelenkt, wo es hingehen sollte. Und irgendwann 2003 ging es eben auseinander.

Ich war eine Weile sauer auf die Situation. Und auf mich. Eine Weile ist eine Untertreibung, es war eine lange Zeit, die ich brauchte, um mehr zu tun als arbeiten zu gehen und mich um die Kinder zu kümmern. Ich war aber nur sehr selten auch sauer auf Dich. Ich wüßte gar nicht, was Du anders hättest machen können. Ich kannte Dich seit fast 15 Jahren, das warst einfach Du und Deine Entscheidung war für mich völlig nachvollziehbar. Ich fragte mich nur, ob ich etwas hätte anders machen können. Zum Glück nicht ewig, irgendwann konnte ich auch weitergehen.

Das schöne daran, dass wir uns so gut kannten war, dass wir uns in einer Sache einig waren und darüber - meine ich - nie ein Zweifel bestand: Wir wollten weiterhin gemeinsam die Kinder groß kriegen. Wir waren kein Paar mehr, aber wir blieben Partner. Ich bin Dir dankbar, dass Du immer unmissverständlich klar gemacht hast, dass wir beide die Eltern unserer Kinder sind und es auch immer bleiben werden. Und dass alles, was die beiden angeht, unsere Entscheidung sein wird, nicht eine von irgendwelchen unserer möglichen Partner. Ich habe versucht, mich ins Zeug zu legen wie ich konnte, um dem Gerecht zu werden und bin zuweilen meinen Grenzen sehr nah gekommen. Du hast dasselbe getan und hast im Versuch, alles unter einen Hut zu bekommen, die Grenzen Deiner Leistungsfähigkeit sogar überschreiten müssen.

Aber wir haben es irgendwie auf fast 30 Jahre geschafft. Erst als Freunde, dann als Liebespaar, eine Weile davon als Ehepaar und die letzten 13 Jahre als (ich hoffe meinerseits als verlässlicher) Partner. Da kann man mal den ollen Ehering anziehen und anstoßen. Wie jedes Jahr am 29. August. Auf die Freundschaft und die Liebe. Darauf, dass wir eine schöne Zeit hatten, die keiner von uns bereuen muss und darauf, dass Du immer ein Teil meiner erweiterten Familie bist und ich ein Teil der Deinen.

 

July 22 2016

Stop to oder everything: A call for runterkommen.

Es gibt so ein paar Dinge, die heute anders sind als zu meinen Jugendzeiten. Was allerdings nicht dazugehört ist, dass die Welt gefährlicher geworden ist, die Spinner (egal, wen ihr persönlich als Spinner anseht) kurz davor sind, die Welt übernehmen oder eine Generation einer anderen (meint: eurer) die Zukunft in ein Jammertal verwandelt.

Was anders ist, sind folgende drei Umstände:

1.

Die Geschwindigkeit, in der wir von allem möglichen, was so auf der Welt passiert, etwas mitbekommen hat sich extrem erhöht. Das bedeutet aber nicht, dass wir auch schneller wissen, was genau passiert ist. Wir wissen nur früher, dass es passiert ist. Früher haben wir Stunden später in der nächsten Tagesschau oder am nächsten Tag aus der Zeitung erfahren, was bekannt ist.

Bis dahin sind aber oft schon einige der Fragen beantwortet gewesen, die heute, wo wir quasi Sekunden später von einem Geschehnis erfahren, noch völlig offen sind und das einzige, was uns für Stunden berichtet wird ist, wie ratlos und ahnunglos Politiker, Polizei und andere Beteiligte sind. Die Phase, in der ein Sachverhalt geklärt wird, in der Aussagen als Fakten verifiziert oder als Gerücht falsifiziert werden, ist heute teil der News-Ticker, denn die müssen ja immer aktuell sein. Früher hat man von dieser Phase wesentlich weniger mitbekommen. Wenn wir das erste mal konkret informiert wurden was geschehen ist, gab es immer schon die groben Fakten dazu. Das führte zu einem gewissen Vertrauen, dass die Behörden ihre Arbeit machen.

Dadurch aber, dass wir nun live mitbekommen, dass für Stunden alle Fragen unbeantwortet sind, die Ermittlungen erst einmal in zehn falsche Richtungen gehen bevor sich ein klareres Bild ergibt und gleichzeitig aber schon zehn Minuten nach dem Ereignis Politiker oder "Experten" wissen sollen, was zum Geier wir denn jetzt nur tun sollen, führt das zu Verunsicherung und Misstrauen. Obwohl sich eigentlich an der Geschwindigkeit, in der sich die Welt verändert, nichts geändert hat.

2.

Man kritisiert ja momentan öfter mal, dass Soziale Medien uns erlauben, uns in Filterblasen zurückzuziehen, unliebsame Themen und Meinungen aus unserem digitalen Netzwerk herauszufiltern und uns in einer Echokammer einzurichten, in der wir nur noch unsere eigenen Ansichten bestätigen lassen.

Das allerdings ist - finde ich - eine gute Sache. Denn was uns die Digitalisierung beschert hat ist eine Transparenz, die wir früher nicht hatten: Wir bekommen plötzlich mit, wie Leute denken und sich äußern, die politisch auf radikalen Positionen stehen. Wir kriegen mit, wie viele Menschen welche - in unseren Augen völlig abwegigen - Thesen vertreten, an totalen Unsinn glauben und mit welcher Vehemenz für uns selbstverständliche Werte von anderen gehasst und verachtet oder was wir als Verirrungen und Vorurteile ablehnen von anderen geliebt oder verehrt wird.

Früher hatten wir, sorry für die Warner vor der Echokammer, wesentlich dichtere Filterblasen. Eigentlich haben wir die auch heute noch, außerhalb des Digitalen. Niemand käme auf die Idee, in eine Kneipe zu gehen, in der die Fans der gegnerischen Fussballmannschaft ihren Stammtisch haben. Kein Mensch kommt auf die Idee, auf einer Party Musik zu spielen, die nicht zu den Gästen passt (und dann zu sagen, man müsse sich doch auch die anhören, um ein toleranter Mensch sein zu können). Wenn ich ein Familienfest mache, lade ich nicht meine Arbeitskollegen ein. Ich habe Freunde, von denen ich weiß, dass sie sich nie verstehen würden, also treffe ich mich nie mit beiden gleichzeitig. Wenn ich beruflichen Smalltalk führe, rede ich im Normalfall nicht über Politik oder Religion.

Und: Wir gehen Menschen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen, aus dem Weg. Bewusst und - bedingt durch Sozialisation, Kompetenzen, Wohnort, besuchte Schulen Studien- oder Ausbildungsplätze - zu einem erheblichen Teil unbewusst. Wir geben uns nicht freiwillig mit Menschen ab, die wir verachten und wir suchen aktiv die Nähe zu denen, die wir bewundern oder mit denen wir uns verbunden fühlen.

Das Praktizieren dieser sozialen Konventionen schützt uns vor Stress und hilft uns, konstruktiv zu sein. Es immunisiert uns und macht "unsere" Welt überschaubar, vertraut und vermittelt uns ein Gefühl der Sicherheit. Es macht uns andererseits natürlich auch ignorant und hilft uns nicht, unsere Wahrnehmung zu korrigieren (zum Beispiel wenn es um Privilegien geht), Fehler zu entdecken und Voruteile abzubauen.

Aber: Was viele Menschen momentan in der digitalen Welt (und hier ist diese noch sehr getrennt von der echten Welt) erleben ist eine Kakophonie an Unterschieden, die sie vorher nie in dieser Menge und Wucht wahrgenommen haben. Sie werden konfrontiert mit tausenden sich zum Teil in unvereinbarer Absolutheit widersprechenden Ansprüchen, Weltbildern, Lebenseinstellungen und Wertekatalogen. Ihnen werden von allen Seiten Forderungen gestellt, die nie zufriedenstellend erfüllt werden können, weil zum Beispiel Informationen ungleich verteilt sind und die nötige Bildung und Sozialisation fehlt. Und selbst wenn man einige erfüllen kann, wird man dann von denen kritisiert, die die gegenteiligen Forderungen stellen.

Daher muss man auch in der digitalen Welt lernen, sich zu distanzieren, Filter zu setzen, Abstände einzubauen und sich abzugrenzen. Das ist erst mal nichts schlimmes, das haben wir schon immer so gemacht, um überhaupt handlungsfähig zu sein. Wenn ich allen zuhören muss, höre ich vor lauter Lärm gar nichts mehr. Wenn ich mich verständlich machen will, muss ich Wege finden, nicht erst mal schreien zu müssen, um das ganze Rauschen zu übertönen (weshalb ich nicht in unmoderierte Medienforen kommentiere).

In dieser Phase befinden wir uns gerade und ich gehe davon aus, dass wir lernen, den Mittelweg aus Ignoranz und Offenheit zu finden, der uns dieselbe Sicherheit im Leben erlaubt, wie wir sie früher ohne digitale Kanäle erreichen konnten.

3.

Einer der häufigsten Gründe für mich, irgendwo etwas zu kommentieren, auf Twitter ein Reply zu schreiben oder jemanden anzusprechen ist mit der Frage verbunden, warum das Wort "oder" in einem Argument auftaucht. Ich habs an anderer Stelle schon mal versucht, zu beschreiben: Woran liegt es, dass man heute viel häufiger vor binäre "entweder - oder" Fragen gestellt wird, obwohl es weder notwendig ist, sich ausschließlich für eine der beiden vorgeschlagenen Alternativen zu entscheiden noch diese beiden Möglichkeiten die einzigen Lösungswege darstellen?

Beim Brexit wurde gefragt "In or Out", anstatt dass man sich alle Möglichkeiten überlegte, die für das Land möglich sind, die Implikationen erklärte und dann eine wirklich informirte Entscheidung über drei, vier oder noch mehr gangbare Alternativen möglich gewesen wäre, die nicht eine Spaltung der Nation verursacht hätte.

Denn das tun diese schwarz-weiß Argumentationen, in denen es imm nur um entweder/oder geht. Die Zustimmung zum Einen impliziert immer die Ablehnung des Anderen. Was dazu führt, dass es nie das gibt, was eine Demokratie ausmacht und eine diverse Gesellschaft befähigt, Unterschiede zuzulassen: Kompromisse.

Aber auch unsere Handlungsfähigkeit wird dadurch extrem eingeschränkt. Man kann nicht mehr ausprobieren oder testen. Man kann es nur noch richtig oder falsch machen. Und ob etwas richtig oder falsch ist, beurteilen die anderen. Selbstverständlich sind richtig und falsch dann auch noch absolut. Das heißt, was für mich richtig ist, kann für jemanden anderen auch nur richtig sein. Was ja Unsinn ist, denn jeder Mensch befindet sich ja in einer anderen Position, hat andere Stärken und Schwächen, folgt anderen Interessen oder Weltanschauungen und verfügt über andere Möglichkeiten (zb Geld, Bildung, Kontakte, Körpereigenschaften).

Das ist ein Problem. Und es gibt ein weiteres: Sobald man Verständnis - nicht etwa Zustimmung - für eine Ansicht zeigt, steht man schon auf der Gegnerseite. Denn eine Welt aus "oder" kennt ja nur Gegensätze. Die "oder" Welt erlaubt keine Alternativen, die das Problem für beide Seiten lösen und keinen Kompromiss, mit dem alle leben könnten. Geschweige denn, einen Pluralismus, der den anderen einfach ihre Meinungen, ihre Lebensstile, ihre Sexualität oder ihre geliebten Freizeitbeschäftigungen haben lässt, die ich für mich eventuell ablehne, mit denen ich aber gar keine Berührung habe. Keine Homoehe macht eine Heteroehe ungültig. Keine Religion befindet darüber, woran ich glaube und woran nicht. Kein Pokemon-Go Spiel installiert sich automatisch auf mein Handy und zwingt mich, kleine Monster zu fangen. Allerdings würde ich, wenn ich es täte, auch nicht automatisch verblöden.

Denn ein weiteres Problem, das es nur in der "oder"-Welt gibt ist, dass wer das eine tut, das andere automatisch nicht tut. Die "Oder"-Welt besteht nur aus "anstatt". Ein "sowohl - als auch" ist darin ausgeschlossen. Ich kann aber sowohl Computerspiele genießen als auch lange Wanderungen machen. Ich kann mich sowohl über Umweltschutz informieren und entsprechende Maßnahmen treffen als auch mit ner Tüte Chips einen schnulzigen Liebesfilm anschauen. Ich kann mich sowohl kritisch zu bestimmten Vorgängen in den USA äußern als auch zu bestimmten Vorgängen in Russland und gleichzeitig sogar an beiden Ländern viele Dinge mögen. Ich kann mich sowohl für die Stärkung der EU einsetzen als auch Kritik an ihrer Finanz- und Austeritätspolitik äußern. Denn eigentlich ist die Welt eine "und"-Welt. Aber das scheint man leider etwas vergessen zu haben.

In einer "und"-Welt kann man plötzlich Verständnis entwickeln, ohne dass das eine Zustimmung ist. Man kann Empathie haben und gleichzeitig seine Sympathie oder Antipathie behalten. Man hat plötzlich immer mehr als nur zwei Optionen.

(Mia und ich auf der re:publica - beim alles nicht so Ernst nehmen.)

Fazit:

Das sind drei Umstände gewesen, die heute anders sind als früher. Zumindest in meinem Leben und in meiner Wahrnehmung. Ich habe sie weder umfassend betrachtet noch sind diese drei Punkte die einzigen. Es sind nur die, die mir in letzter Zeit verstärkt auffielen.

Gibt es daraus eine Erkenntnis?

Ich glaube schon. Zum Beispiel die, dass die Welt nicht komplizierter geworden ist, sondern nur lauter und dass wir es selbst in der Hand haben, die Lautstärke wieder auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Man muss nicht jedem Liveticker folgen, wenn man die Unsicherheit schlecht aushält. Man muss sich nicht mit allen Menschen, ihren Meinungen und ihren Diskussionen beschäftigen, wenn einen das lähmt, ängstigt oder ärgert. Man muss nicht entweder alle Ereignisse verfolgen und jeden Menschen akzeptieren oder sich völlig abschotten und nur noch mit gleichgesinnten sprechen. Man kann sich auch seine ganz persönliche Komfortzone einrichten, indem man hier ein wenig und dort etwas mehr reguliert. Man kann mit angenehmerer Lautstärke beginnen, nicht alles in Hitler oder Jesus einzuteilen. Man kann seine Geschwindigkeit anpassen, man kann aufhören, binäre Fragen zu beantworten und stattdessen beginnen, zu überlegen, ob sie überhaupt relevant sind und wenn ja, wie die besseren Antworten lauten, die irgendwo zwischen Ja und Nein liegt.

Man kann mal runterkommen und kapieren, dass runterkommen nicht dasselbe ist wie Ignoranz, nur weil runterkommen in der schwarz-weiß Welt nicht auf der "Oh Gott, wir werden alle sterben wenn wir nicht sofort was tun!"-Seite steht.

Und am Ende geht es einem besser, man ist immer noch gut informiert, hat Zeit für die Dinge, die einem wichtig sind und hat immer mehr als nur zwei Optionen.

May 27 2016

Wie das ist wenn man sich als Internetdings selbständig macht...

Keine Sorge, ich rede nicht über finanzielle Änderungen, Steuern oder Arbeitszeiten. Das kennt man ja. Nein, ich möchte darüber reden, dass ich bemerkt habe, wie sich mit diesem Schritt meine Online-Persönlichkeit verändern muss. Denn es haben sich mit diesem Schritt doch ein paar wichtige Grundlagen dafür verschoben, wie ich mich bisher professionell bzw. halbprivat darstellte.

Bisher habe ich als Blogger bzw einer dieser halbwegs zumindest szenebekannten Online-People eine strikte Trennungspolitik zwischen beruflichen und privaten Aktivitäten gefahren. Was vielleicht ganz easy aussah, aber in wirklichkeit nicht so einfach war, denn in beiden Feldern war ich ja in digitalen Themen unterwegs. Ich habe mir nämlich immer überlegt, wie ich meine "Businesspersona" und meine Netzpersona so weit auseinanderhalte, dass ich in meinem Beruf nicht anecke - sei es in der Firma oder bei Kunden - als auch dass mein Beruf mich nicht davon abhält, dennoch all die Dinge online zu tun, die ich nun mal gerne tun will.

Das hab ich ganz gut hinbekommen in den letzten 15 Jahren. Obwohl ich hin und wieder auch mal zeitweise etwas sichtbarer gewesen bin, sei es in Sachen Klowände des Internet, Euroweb, Zensursula, den diversen Twitter-Fakeaccounts oder Facebookparties und bei durchaus kritischen Podcast, hat es nie deswegen bei Kunden oder Arbeitgebern Schwierigkeiten gegeben. In der anderen Richtung habe ich meine Arbeitgeber und Kunden nicht ein mal zum Thema gemacht oder genannt. Diese Trennung hat also super funktioniert, sie erschuf einen so großen Abstand zwischen meinen beiden Persona, dass sie sich nie gegenseitig ins Gehege kamen.

Allerdings war diese Trennung natürlich sehr künstlich: Eigentlich habe ich in meiner Arbeit sehr oft dieselben Grundphilosophien genutzt, wie ich sie im onlineaktivistischen Rahmen ansetzte. Transparenz, die Auflösung von Hierarchien, Enablement, Auflösung von Schwellen und Diskriminierung... das sind genauso Themen, wenn es um digitale Strategien, Interaktionskonzepte, (digitale) Bedienbarkeit von Prozessen und nicht zuletzt auch um Marketing und Kampagnen ging, vor allem in Sozialen Medien. Ich habe meine Grundsätze bei einem Schulungskonzept einer Supportabteileung eines Telefonkonzerns vermittelt, bei der Idee eines Game-Based Learning Tools für Menschen die an Fließbändern arbeiten und vertrat diese Philosophien offensiv in meiner Funktion als Führungskraft.

Und nun, als selbständiger Berater, muss ich - nein will ich - diese Trennung aufheben. Denn natürlich sind auch meine "Netzkapriolen" nicht einfach nur aus Spaß entstanden:

Tweets von Wagner zum Beispiel ist ein Proof of Concept dafür, dass ich einen Twitterkanal aufsetzen kann, dem freiwillig alle Journalistinnen und Journalisten folgen: Eine Multiplikatorengruppe, nach der sich jeder PR-Manager die Lippen leckt. Und es hat funktioniert: Über zwei Drittel der knapp 3000 Follower sind Medienmenschen.

Der "Angriff" auf Euroweb damals war der Versuch, die Kritik an einem Geschäftsgebaren sichtbar zu machen, das offensichtlich viele Kunden in große Nöte brachte und wenn diese versuchten, sich auf Foren darüber auszutauschen wurden die Forenbetreiber mit Abmahnungen gezwungen, diese öffentliche Auseinandersetzung zu verhindern. Daher habe ich damals eine Reaktion provoziert, die das Thema in die wesentlich dezentralere Blogosphäre brachte. Inzwischen findet man doch einige Informationen, die auch stehen bleiben.

Die Facebookpartys bei der CDU entstanden damals aus dem Ärger darüber, wie Politiker es immer wieder schaffen, aus Nichtigkeiten große Themen im Sinne ihrer Agenda zu kreieren: In diesem Fall gingen sie mit der scharfen Forderung nach einer Kriminalisierung von Jugendlichen in die Medien, deren Partys, zu denen sie per Facebook eingeladen hatten, aus dem Ruder liefen, weil irgendwelche Leute es lustig fanden, ihre Veranstaltung zu crashen. Sprich: Ausgerechnet an den Opfern von Bullying wollte man ein Exempel statuieren. Die Idee, die ich mit einer Kollegin während der Mittagspause in die Tat umsetzte war einfach und effektiv: Wir suchten nach CDU-Veranstaltungen mit offenen Einladungen, luden alle Freunde ein, baten diese, auch ihre Freunde einzuladen und die Veranstaltungen möglichst absurd, aber "bedrohlich" zu kommentieren. Das Ziel war, der CDU ihr Law-and-Order Sommerlochthema so aus der Hand zu nehmen und es ist uns offenbar nachhaltig gelungen, da sie es seitdem nie wieder angefasst haben.

Das alles kann man - wie mir jemand auf der re:publica letztens sagte - gut unter dem Begriff Social Engineering laufen lassen (zugegeben, eine kleinere und digitale Variante gegenüber der offiziellen Definition von Popper). Es sind möglichst unaufwändige soziale Hacks, die Themen aber mit massivem Druck in die Öffentlichkeit bringen oder Reaktionen manipulieren, gerade in Medien. Und das nicht heimlich oder mit Marketingtricks sondern immer mit möglichst offenen Karten: Der Effekt jedenfalls ist im Nachhinein jedem klar, der sieht was ich gemacht habe und wie die Sache sich entwickelt hat. Daher habe ich auch lange geglaubt, dass das alles gar keine Kunst ist, interessanterweise aber höre ich im vorneherein seltener ein "Ja, das ist ja zu erwarten." Anscheinend mache ich also was richtig, was viele mit wesentlich mehr Aufwand und dennoch weniger Erfolg versuchen.

Nur habe ich eben jetzt dieses Problem: Wie bekomme ich den bisherigen Profi-Jens mit dem Internetdings-Jens zusammen? Wahrscheinlich so, wie ich vieles mache: Mit einem Schritt nach dem anderen und evolutorisch. Ich bin jedenfalls gespannt, wie meine "neue" Persona am Ende aussieht...

May 07 2016

re:publica mon amour

Die Sauna wars. Ganz klar. Die Sauna. Die Antwort auf die Frage, was mein Highlight gewesen ist, dieses Jahr auf der re:publica.

Nicht, weil sie irgendwie schräg war oder irgendwie gar nicht reinpasste oder ein gelungener Gag. War sie nämlich nicht: Sie passte so genau und harmonisch in mein Bild, in meine Beziehung zur re:publica, in meine Liebe zur re:publica wie nichts anderes dort. Denn es war eine echte Sauna, kein Fake, keine Sauna light, kein Marketinggag vor dem man ein Foto macht, die aber in Wirklichkeit nur Staffage ist. Man musste sich drauf einlassen, um sie zu genießen: Zwei Durchgänge, 95 Grad, Aufgüsse, kalte Dusche dauerten eine Stunde, in der man schwitzte, sich gut unterhielt, ausruhte, die Hektik vergaß und den Party-Abend einleitete.

Und wie das Abschlusssingen wünscht man sich sofort, dass sie ab jetzt für immer da ist. Wie konnte man nur so lange ohne Sauna re:publica machen? Selbst wenn 7950 Menschen vielleicht sogar bis zum Ende gar nicht bemerkten, dass es sie überhaupt gab. Diese Sauna war für mich das, was die re:publica von allen anderen Konferenzen unterscheidet, denn sie stand einfach nur im Hof, mit netten Menschen dabei, unaufdringlich, authentisch im eigentlichsten Sinne des Wortes. Nichts für alle, aber für alle die sich darauf einließen.

Und die Verbindung zu den wichtigen Themen liegen auf der Hand: Privatsphäre, Entblößung in der Öffentlichkeit, Echtes und Unechtes, soziale Interaktion ohne Kleidung an und ob das wohl gut geht? Wir twitterten Jeff Jarvis Fotos und machten ihn neidisch. Es lag so nahe, denn 2010 war er in Berlin und erzählte, wie er in der Deutschen Sauna saß und sich über die Deutsche Offenherzigkeit wunderte, wo man hier doch so seltsam heftig auf Privatsphäre poche. So schließt sich der Kreis, oder besser: So hängt alles irgendwie zusammen.

Meine Liebe zur re:publica ist leicht zu erklären, denn sie funktioniert so, wie Liebe nun mal funktioniert. Erst ist man verknallt und wenn es nach den Funken warm bleibt, geht man eine echte, tiefe Beziehung ein. Man freut sich, wenn sie Erfolg hat, als wäre es der eigene Erfolg. Man sieht die Fehler und Unzulänglichkeiten, erkennt sie aber als Charaktereigenschaften an. Man schimpft mit ihr und klatscht sich an die Stirn, wenn sie sich mal dumm benimmt und ist erleichtert, wenn sie eine ehrliche Entschuldigung ausspricht (Stichwort #cheesegate). Und man lässt sie machen, denn sie gehört einem nicht. Ich vertraue darauf, dass sie - auch wenn sie sich von dubiosen Konzernen sponsoren lässt oder fünf mal den eigentlich selben Vortrag ins Programm nimmt - am Ende immer doch das tut, was sie für richtig hält, denn das ist ja das, wofür man sich in jemanden verliebt hat.

(Foto: FIT)

Und die Sauna zeigt mir stellvertretend für so vieles andere über das ich eventuell auch noch mal schreibe, dass sie - obwohl sie inzwischen so erfolgreich, groß und wichtig geworden ist - immer noch sie selbst ist und an mich denkt (Ok, und weil ich dieses Jahr wieder über ein vermeintlich totales Nerd-Thema reden durfte.).

Dafür, meine liebe re:publica, dass Du Dich ständig änderst, aber nie anders wirst. Dafür, dass Du inzwischen so ein stabiler Fixpunkt bist, der mir jedes Jahr Glück und Energie bringt. Dafür dass ich ein kleiner Teil deiner munter wachsenden Familie sein darf, danke ich Dir.
Dein treuer Freund.

April 19 2016

Warum wir gar nicht so dringend wieder Privates auf Facebook posten sollten

Ich bin inzwischen zum dritten Mal auf den Artikel in Wired gestoßen, in dem beklagt wird, dass "wir" uns ja so sehr an die Optimierungsgesellschaft angepasst hätten, dass das ehemals total persönliche und nette Zusammensein auf Facebook zurückgegangen ist, weil "wir" nicht mehr die einfachen kleinen privaten Meldungen posten, sondern nur noch perfekt gestylte Momente, Links die uns klug und wichtig aussehen lassen und normierte Sinnsprüchlein oder Comics zur allgemeinen Belustigung veröffentlichen.

Jedes Mal dachte ich mir dabei, dass ich den Artikel nicht gut finde. Was seltsam ist, denn eigentlich erscheint mir die Aussage ja vordergründig richtig: Die Regeln des Content Marketings, die alle Inhalte im Netz - ob nun auf sozialen Netzwerken, auf Newsseiten oder in halbwegs privaten Blogs - irgendwie optimiert und gestreamlined haben, bieten einem ja wirklich inzwischen ein arg eintöniges und gleichförmiges Bild. Die Timeline sieht jeden Tag aus wie die des Vortages und der "Mix" ist auch derselbe.

 

Ich glaube dennoch, dass die Autorin daneben liegt, sowohl mit der Ursache dafür, dass es so aussieht wie es aussieht ("wir" posten nur noch Schmockzeug) als auch mit der Idee einer Lösung ("wir" müssen wieder anderes Zeug posten). Denn die Ursache sind nicht "wir".

Ich habe - der Einfachheit halber mal ignorierend, dass Facebook noch nie die erste noch die beste Stelle war, um öffentlich über private Dinge zu schreiben - mir mal die Walls einiger Freundinnen und Freunde angesehen, von denen ich weiß, dass sie genau das tun, was im Artikel verlangt ist: Meldungen über den morgendlichen Kater, Fotos aus dem Hinterhof, Klagen über den Paketzusteller, das lustige Missgeschick von eben, das verwackelte Bild von der Familienparty, die Sorgen über diese unerwartete Rechnung und so weiter.

Was ich festgestellt habe waren zwei Dinge: Entweder posten sie diese Dinge noch immer genau so, wie schon vor Jahren, auf ihre Facebook-Wall oder sie schicken solche Mitteilungen inzwischen über private Familien-/Freundes-Gruppen und PNs. Bzw. sie nutzen inzwischen andere Netzwerk- und Messagingsysteme neben Facebook dafür, die es früher nicht gab, aber eben eine viel genauere Differenzierung der Privatsphäre erlauben. Aber egal wie, ich erhalte von allen immer noch genausoviel oder sogar mehr private Inhalte wie früher.

Was bedeutet: "Wir" haben gar nicht aufgehört, private Momente zu teilen. Einige haben lediglich aufgehört, sie mit der ganzen Welt zu teilen. Etwas, was sie ohnehin nie vorhatten, aber aus zwei Gründen für eine Weile ok war: Erstens war man auch öffentlich noch eine ganze Weile "unter sich" weil noch längst nicht alle Welt  in Netzwerken (ob informell wie unsere Blogs in den ersten 10 Jahren der 2000er oder formell wie auf Twitter, OkCupid, Facebook und so weiter) unterwegs war und zweitens gab es die besagten neuen Messaging-Community-Dienste noch nicht, die eine bessere Differenzierung und Filterung ermöglichen, wer was zu sehen bekommt.

Was aber inzwischen auch passiert ist: Facebook erweiterte sich von einem Netzwerk für Privatmenschen und ihrer Freundeskreise zu einer breiten Plattform für die Interaktion mit Firmen, Geschäften, Parteien, Aktivitäten, Themen, Produkten und Persona (also Menschen, die ein nicht privates, öffentliches Profil zeigen: Beraterinnen, Künstler, Autorinnen, Handwerker,...). Diese Inhalte füllen inzwischen meine Timeline zusätzlich, und zwar mehr oder weniger davon abhängig, wie viele Seitenprofile ich like, wie vielen Persona ich folge und im Vergleich dazu wie wenige "echte" Menschen ich in der Freundesliste habe.

Das bedeutet, die Autorin sollte eventuell mal ausprobieren was passiert, wenn Sie ein paar ihrer Likes auf Firmenseiten und Profiprofilen entfernt. Sie könnte feststellen, dass sich ihre Timeline plötzlich wieder mit viel mehr privaten Meldungen ihrer Freunde füllt. Wenn sie dann noch die ganzen Bildchen-Share-Seiten konsequent blockt, sobald mal eins auftaucht, wird es sogar noch besser. Da Facebook die Timeline ja "in unserem Interesse" mit dem, was angeblich für uns wichtig oder interessant sei, vorsortiert, spült es uns eben immer mehr von dem Zeug hinein, das gar nicht von unseren Freunden kommt sondern eben jenen Content, der genau auf die Kriterien zugeschneidert ist, von dem Facebooks Algorithmus annimmt, dass er qualitativ hochwertiger ist als die orthografisch nicht ganz korrekten Oneliner, die mein bester Kumpel schreibt, die ich aber in Wirklichkeit dennoch viel lieber gelesen hätte.

Soweit die Ursachen. Wie siehts mit der Lösung aus? Mehr privates posten? Wie gesagt, "wir" posten ja gar nicht weniger privates als früher. Aber was ist mit dem Argument, dass der Anteil der Menschen zurückgegangen ist, die private Meldungen verfassen? Von 40 FreundInnen haben das früher 30 regelmäßig getan, von jetzt 150 nur 35. Das Verhältnis ist also gesunken. 

Ja. Aber eventuell sind in den letzten Jahren eben auch jede Menge Menschen auf Facebook hinzugekommen, um sich mit Freunden und Verwandten zu verbinden, die aber gar nichts schreiben, weils ihnen gar nicht darum geht oder noch nie darum ging. Das sind die Leute, an denen die Blog-Ära komplett vorbeizog, weil sie zu dieser Zeit überhaupt nichts im Netz gemacht haben ausser sich mal Infos über den Urlaubsort zu googlen. Die auch nie ein Interesse daran hatten, irgendwas privates öffentlich zu machen. Denen dieser ganze öffentliche Exhibitionismus nie was gesagt hat oder die ihn sogar doof fanden.

Von denen hab ich vor Facebook nie was im Netz gelesen und seit sie in Facebook sind, auch nie. Aber sie benutzen persönliche Messages, um mich zu ihrem Geburtstag einzuladen und mir zu meinem zu gratulieren und sie schreiben Dinge wie "Ist das nicht toll, dass wir jetzt so einfach Kontakt halten können?". Weil es das ist, was sie auf Facebook tun. Nur eben nicht öffentlich.

Und weiter: Da Facebook inzwischen kein Vereinsheim, Unimensa, Stammkneipe oder der Cliquen-Bus ist sondern ein großes Einkaufs- und Servicezentrum ist, erinnern sich viele Menschen gar nicht daran, wie es "früher" war, als es noch keine Firmenseiten, Newsservices, Entertainmentbereiche und allgegenwärtige Werbung gegeben hat. So lange ist der größere Teil der Facebook-Nutzer nämlich noch gar nicht dabei. Aber so ist Nostalgie, so wie die Autorin sich die Zeit zurückwünscht, in der man sich auf Facebook "unter sich" gefühlt hat, so denke ich mit wohliger Erinnerung an die Zeit zurück, als Blogs noch per Blogroll vernetzt waren und man jedes Blog an seinem individuellen aussehen erkannte. Das hat sich eben geändert - manchen zum Guten, manches zum Schlechten.

Also: Ich glaube nicht, dass die Autorin schon so alt ist, dass sie sich nicht mehr mitverändern kann. Dass sie mal schaut, ob die Geschichten, die sie vermisst, nicht einfach inzwischen wieder irgendwo anders sind als auf Facebook. Oder ob ihr Bedürfnis nach mehr Nähe und Privatheit mit ihren Freundinnen und Freunden nicht durch viel passendere und intimere Dienste viel besser abgebildet werden.

Wenn "wir" irgendwas müssen, dann diesem Bedürfnis nach privatem Kontakt und Vernetzung folgen und wenn Facebook das nicht mehr erfüllt, dann suchen wir uns eben neue Wege dafür.

DAS haben wir nämlich schon immer so gemacht.

 

May 18 2015

Warum wir Überwachung nicht verhindern werden, wenn wir nicht etwas anderes grundlegend ändern...


Bild: Emily Helen

1.

Auf der re-publica unterhielt ich mich mit jemandem, der für eine Studie Hartz-4 Empfänger interviewte.

Er erzählte, dass jede von ihnen einen guten Grund hatte, auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein: Der eine ist zu alt für seinen Job, die andere ist zu lange krank gewesen, der nächste kann die Gegend nicht verlassen in der es einfach keine Jobs gibt, die nächste hat einen Beruf, der heute nicht mehr benötigt wird. Und so weiter. Er sagte, es kam eigentlich heraus, was zu erwarten war: Auch Hartz-4 Empfänger sind ein ganz normaler Querschnitt der Bevölkerung was Schulbildung, Ausbildung oder Studium, Familienverhältnisse oder sonstige biographische Eigenschaften angeht.

Soweit, so erwartbar.

Was auch erwartbar war, war das Gefühl dieser Menschen, zu Unrecht stigmatisiert zu sein und von Ämtern und Behörden überwacht und gegängelt zu werden.

Was dann aber überaschte war, dass sie zwar alle ihre eigene Situation realistisch beschrieben haben, aber bei der Bewurteilung der anderen Interviewkandidatinnen komplett daneben zielten: Ihr Wunsch, nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt zu werden galt nämlich absolut nicht für die anderen da draußen im Wartezimmer. Die seien ja genau die Schmarotzer und Faulenzer, wegen denen das Sozialsystem so versagt und die nehmen ihnen, die berechtigt auf Hilfe angewiesen sind, das Geld, die Chancen und den guten Ruf weg.

Jeder Einzelne von ihnen war dieser Meinung.

2.

Cory Doctorow erklärte - ebenfalls auf der re-publica - warum wir den Kampf gegen Überwachung verlieren werden. Ein wichtiger Punkt (von mehreren): Menschen sind Misstrauisch. Sie wollen zwar selbst nicht überwacht werden, aber sie sagen im gleichen Atemzug, dass es leider nötig ist, alle anderen zu überwachen.

Wir sind nicht gerade dabei, durch Überwachung die Gesellschaft mit dem Prinzip der Unschuldsvermutung in eine Gesellschaft  mit dem Prinzip des Generalverdachts zu verwandeln. Die Überwachung ist lediglich ein Symptom und das Ergebnis dessen, dass diese Gesellschaft sich schon längst geändert hat.

Die Idee, dass die Überwachung aller Menschen etwas notwendiges sei, hat traurigerweise eine Mehrheit und Solidarität und Vertrauen gilt nicht mehr als Wert sondern als romantische und naive Schwäche!

3.

Eine Kusine von mir postete letztens einen NPD-Spruch in Facebook. Demnach würden für Flüchtlinge Millionen ausgegeben werden, die bei Schulen und Rentnern eingespart würden. Natürlich ist das völliger Unsinn und populistischer Quatsch. Wir könnten problemlos sowohl wesentlich mehr Flüchtlinge aufnehmen, als auch gleichzeitig Schulen sanieren und bessere Bildung ermöglichen und wir könnten Rentnern auch mehr Geld geben.

Aber warum sollte man das tun, wenn man doch anscheinend die, die zu kurz kommen, so wunderbar gegeneinander ausspielen kann? Wenn das sogar dazu führt, dass sie dann die wählen oder denen blindlings folgen, die von dieser Situation profitieren und den Teufel tun, daran auch nur irgendetwas zu ändern?

So lange Menschen glauben, dass sie zu kurz kommen weil Menschen, die ebenfalls zu kurz kommen Schuld daran sind, wird sich da wenig ändern und schlecht gelaunte Menschen neidisch auf andere schlecht gelaunte Menschen schimpfen.

 4.

 Eins der Argumente, das ich immer höre, wenn es um das Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" geht ist, dass dann ja niemand mehr arbeiten würde und dass es ungerecht sei, wenn andere - im Gegensatz zu einem selbst - nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiteten sondern "alles" geschenkt bekämen.

Natürlich lautet die Antwort auf die erste Gegenfrage "Wie, Du würdest dann nicht mehr arbeiten?" - "Nein, ich würde auf jeden Fall weiter arbeiten. Aber alle anderen nicht und das ist ja dann ungerecht." und es ist ihnen seltsamerweise auch nicht zu erklären, dass ja jeder, also auch sie, dieses Grundeinkommen beziehen würden, zusätzlich zu dem, was sie durch ihre Arbeit verdienen.

Was mir hier jedes mal auffällt ist diese sehr seltsame Sichtweise, nach der man anscheinend einen nicht tolerierbaren Nachteil davon hat, dass andere etwas bekommen, wenn sie nicht dieselbe Vorstellung davon haben, warum sie es "verdienen". Lieber lehnen sie also das BGE für sich selbst ab, als dass das zur Folge hat, dass andere dasselbe bekommen.

5. Ich könnte noch mehr Beispiele aus verschiedenen weiteren Themenbereichen geben:

- Warum geht es wohl bei Schulreformen nicht weiter (was wirklich traurig ist)?  

- Datenschützer wollen jetzt angeblich auch Menschen töten (Das dürfte die perfideste Idee sein, um Datenschutz zu diskreditieren und natürlich klappt es, wenn man die Kommentare liest, die diese schrecklichen "Datenschützer" gerne am nächsten Baum baumeln sehen würden).

- Diese einer Demokratie völlig unwürdige Art und Weise, wie man heutzutage auf Streiks reagiert, sei es der Bahnstreik oder der Streik der ErzieherInnen: Ich bin entsetzt über den ungezügeltem, offenen Hass aus komplett unreflektiertem, purem Egoismus, der noch dazu völlig verantwortungslos von Medien aufgestachelt und von Politikern legitimiert wird.

Ich glaube inzwischen ist es nicht mehr schwer, das Muster zu erkennen. Oder? Ich erinnere mich jedenfalls an Leute, die sowas vorhergesagt haben, als Helmut Kohl in den Achtzigern begonnen hat, das Solidaritätsprinzip konsequent zu vernichten (und Schröder den Staffelstab übernommen hat und geradewegs weitergemacht hat).

Wenn wir nicht hier ansetzen sondern glauben, es reicht doch, sich dafür einsetzen, dass unser schönes, gemütliches Internet schön und gemütlich bleibt und der Rest der Menschen um uns herum geht uns nichts an, haben wir kein besseres Internet verdient als das, das wir am Ende bekommen.

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May 08 2015

...but why the fuck did 7.000 people sing the Bohemian Rhapsody at the end of the re:publica?

In 2010 the re:publica already was on the way to become a big and relevant player. We were 2.700 people and i can only guess, but i think i don't speculate too much if i say that this was the year, we all realized, that the re:publica is not very far away from stopping to be a wonderful yearly class reunion of the people who created the german internet culture from below (actually it started as a german blogger gathering) becoming one of the most important events for europes net politics, culture and originating, organized and maintained from and for citizen.

Why is this so important?

Because even at that time and with this scale still no NGO, no political party, no media- or other company created this event. The re:publica still was "our" festival and "we" got it there and we were determined to hold that ground strongly.

And this is something i'm not getting tired to tell everyone: We german net people may have a lot of differences and we may not at all be that homogenous "Netzgemeinde" that we are viewed as and called from bystanders and media. But we created this event that got bigger year by year, that grew out of a small blogger community joined by twitterers, hackers, makers and instead of adding "relevant business groups" giving the largest platform for activists for all sorts of civil rights like womens rights, refugees rights, freedom of speech in all countries, anti surveillance initiatives and so much more.

And to get back on track: i think, 2010 was the year we all knew, that we will grow out of the comfort zone of being underestimated very soon. Soon was two years later, when the re:publica left the then too small confines of the Kalkscheune and Friedrichstadtpalast and changed it's location to the Station, giving place for the massive growth into the event, 7.000 people witnessed the last three days.

But we took something with us, that is very important: A reminder of where we come from. A small gesture, a moment of Goldigkeit. And this is singing the Bohemain Rhapsody together as a very loud, massively emotional karaoke. And if you wonder why people are hugging and crying and awkwardly sniffing and why they sing with broken voices and nevertheless as loud as they possibly can, it's because this is a reminder and a promise, that the re:publica always was and always will be ours.

For the final session of the re:publica 2010 Johnny prepared a Skype-Interview with Vincent Stone from Twitter that didn't work out: He chattet live on the stage with an assistant who obviously played for time. It developed into a hilarious funny dialogue but in the end Johnny told her that we're done waiting and hung up. Then he told us, that he has that old dream to do a karaoke with at least 1000 people and since we are that many in the room... well, how about it? He made some jokes about Vincent Stone trying to reach us on Skype and we wouldn't see it because we are all singing but what the hell, let's sing.

And so a fully packed room began to sing along to an old, stuttering karaoke video of Queen's Bohemian Rhapsody on Youtube that is long erased there. It was awkward and funny and we immediately knew that if we do this again next year we will start a wonderful, wonderful tradition, even when they tried to get along without it one year.

To prove, that this is not just a nice legend - at last there can't be more than 1.000 people out of those 7.000 that really have been there - i can show you that all of this really happened:

re:publica 2010 singt "Bohemian Rhapsody" from Carta on Vimeo.

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April 17 2015

April 03 2015

"Facebook ist der Schminkspiegel des Internets", oder: Ypsilon ist das X für ein U

2006 musste man als bekannter Werbechef nicht unbedingt ganz weit vorne sein, wenn es darum geht, das Internet und seine Nutzer zu verstehen. Als Dienstleister zur Produktion bunter Bilder zum Anpreisen von Mainstream-Produkten reichte es aus, den Mainstream zu kennen. 2006 waren der Mainstream nicht: Blogs. Daher war er offenbar so überrascht von ihrer Existenz, dass er damit berühmt wurde, sie komplett fehl zu interpretieren. Es nannte sie "Klowände des Internet" und glaubte, Blogger seien anonyme Kellernerds.

Da von allen Menschen, die damals irgendwas ins Internet schrieben, ausgerechnet Blogger am wenigsten anonym noch im Keller herumvegitierende Techniknerds waren (wir hatten alle damals schon ein Impressum, viele bloggten mit Klarnamen und schon damals war das Alters- und Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen) gab es für Herrn von Matt ordentlich Gegenwind. Und es war innerhalb der Werbebranche auch nicht wenig peinlich, denn als jemand, der von Berufs wegen Zielgruppen kennen sollte lag er ja echt mit allem daneben.

Neun Jahre sind vergangen. Viel Zeit, um zu lernen, aufzuholen, sich ein Bild zu machen. Seit damals gibt es viele neue Plattformen: Twitter, Youtube, Facebook (und Messenger: Das Hauptkommunikationsmedium im Internet, das lustigerweise keiner unserer Werbespezis auf dem Schirm hat) und vor allem schreiben nicht mehr nur ein paar Bloggerinnen und Blogger ins Netz sondern wirklich alle.

Da sollte man meinen, dass er sich inzwischen etwas besser informiert hat.

Tja:

Ich erinnere an Ihr legendäres Zitat „Blogs sind die Klowände des Internet“. Das war vor neun Jahren. Damals gab es Facebook in Deutschland noch gar nicht. Heute hat dessen Wall zuweilen aber durchaus Ähnlichkeit mit einer Klowand.

Von Matt: Nein, ganz und gar nicht, denn Facebook funktioniert ja praktisch nur mit Klarnamen. Mit meinem Zitat war das Denunzieren und Diffamieren im Schutze der Anonymität gemeint, das man bei Kommentaren in Blogs und Foren erlebt. Und wenn dieser Satz keinen Nerv getroffen hätte, wäre er nicht sogar in der „New York Times“ zitiert worden. Facebook ist aber alles andere als eine Klowand, eher der Schminkspiegel des Internets.
(Quelle: Horizont)

Ich drösele mal Satz für Satz, denn die Wahrheit ist natürlich eine andere:

1. Dass Facebook praktisch nur mit Klarnamen funktioniert ist eine geradezu herzige Fehlannahme, der man aber gut auf den Leim gehen kann - wenn man Facebook nicht selbst verwendet und glaubt, was deren Marketingabteilung Werbern und werben wollenden erzählt. Allein in meiner Kontaktliste sind ein gutes Drittel der Namen Pseudonyme. Klarnamen nutzen vor allem die Älteren.

Dass Facebook - momentan wieder verstärkt - offensichtlichen Pseudonyme zur Angabe ihrer Klarnamen zwingen will stimmt zwar, aber das sorgt lediglich für viel mehr Fehlinterpretationen, denn die Leute schreiben dann eben "echt klingende" Namen hin und man erkennt somit hinterher nicht mal mehr direkt, dass es sich um ein Pseudonym handelt. Menschen, die glauben, man kann Nutzer mit "echten" Namen ernster nehmen als Nutzer mit offensichtlichen Pseudonymen lassen sich dadurch auch ganz wunderbar ins Bockshorn jagen.

2. Das Zitat auf die Kommentare unter Blogbeiträgen umzumünzen war damals schon ein durchschaubarer Trick: Er hat sich damals einfach über die Blogs geärgert, die seine bescheuerte "Du bist Deutschland"-Kampagne massiv kritisiert und durch den Kakao gezogen haben. Das waren ganz klar Blogs, nicht Kommentare und genau so hatte er das damals auch gemeint und geschrieben. Ich bin seit dem Kindergarten nicht mehr mit "Aber ich habe gemeint..."-Formulierungen durchgekommen, wenn ich mal was dummes gesagt habe. Aber das ist in der Scheinwelt der Werbung wohl anders.

3. Ui, die New York Times hat ihn zitiert (das ist auch schon wieder lustig, wie er damit seit Jahren hausieren geht - man findet jede Menge Medien-Artikel von damals, nur nichts in der NYT). Stimmt, die internationale Presse hatte ihn als Beispiel für einen Medien-Menschen herausgestellt, der den Anschluss an die Digitalisierung verpasst hat, davon überrascht wurde dass die Öffentlichkeit mit dem und im Internet eine Stimme bekommen hat und dann ganz altmodisch onkelig beleidigt war. Tolle Leistung. Aber auch das ist ja in der Werber-Welt egal: Da glaubt man ja sogar heute noch daran, dass jede Form der Aufmerksamkeit was Gutes ist.

4. Facebook ist sicher für den ein oder anderen auch mal ein "Schminkspiegel", aber offensichtlich verwechselt von Matt seine Filterbubble (oder die der Menschen, die er gefragt hat, was sie eigentlich in diesem Facebook machen) mit dem Rest der Welt. Facebook ist ein soziales Netzwerk. Die meiste Kommunikation darin findet - Überraschung - nicht öffentlich sondern in Gruppen, in auf Freunde beschränkten Profilen und vor allen Dingen in persönlichen Messenger-Nachrichten statt (hier befindet sich zum 2.Mal in diesem Artikel ein Tipp). Der neue Vergleich sagt also wie damals schon viel mehr über den Blick von Werbern aus, die Menschen als eine Art unterhaltungssüchtige Schafherde betrachtet, der sie nur an den richtigen Stellen auflauern und mit ihren "Botschaften" füttern muss.

Die ausgewiesenen Facebook-"Schminkspiegel" nennen sich Facebook-Pages und werden meistens für und von Menschen betrieben, die irgendwas in der Öffentlichkeit tun. Und das ist dann Werbung. Erstaunlich, dass er nicht mal in seinem eigenen Metier... aber auch das hatten wir ja schon.

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April 02 2015

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Unpacking Elite: Dangerous Backer Special Editition

March 30 2015

Das Jahr stolpert

Das erste viertel Jahr ist rum und irgendwie schleppte es sich sehr anstrengend voran. Ich habe immer noch nicht das Gefühl, dass es irgendwie spürbar "losgegangen" ist. Stattdessen bestanden der Januar und der Februar aus viel zäher Arbeit und vielen Themen, deren Zeit irgendwie noch nicht gekommen zu sein scheint.

Letzte Jahr hat mich der FAWM aus der Trägheit geholt, aber dieses Jahr war auch das nicht drin: Gerade mal eineinhalb Beiträge sind es geworden. Allerdings gefällt mir der eine, der es bis zur "kann man sich anhören"-Reife geschafft hat, ganz gut:

Zu meiner Einreichung für die re:publica hat sich auch noch niemand gemeldet (ich nehme an, das wird nichts mehr, aber ich fand das Thema eigentlich ganz gut, auch wenn's nicht das war, was ich eigentlich vorhatte).

Aber: Nächste Woche ist Urlaub und wir fliegen nach Edinburgh. Wenn das keine Gelegenheit für das Jahr ist, endlich mal in Schwung zu kommen, weiß ich auch nicht...

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March 21 2015

Prost-Post

Ein Stöckchen über Trinkgewohnheiten (und wo's auch irgendwelche Regeln gibt, die ich ignoriere). Alkoholische Getränke zu sich zu nehmen und das mit dem Wort "Gewohnheit" zu verknüpfen ist in meinem Fall zwar fast nicht möglich - ich trinke dazu viel zu selten und schon gar nicht regelmäßig Alkohol - aber ich mag die Fragen trotzdem.

1. Was ist dein liebster Drink?

Milch. Ok. Es geht um Alkohol. Dann White Russian. Aber Dude-Style, also mit Milch.

2. Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken?

Als kleines Kind, nehme ich an. Ich war ja oft in der Rhön, wo unsere Großfamilie lebt und da geht schon mal eine ordentliche Menge Bier weg so über den Tag. Klar, dass man da mal neugierig dran nippt. War aber wenig überzeugend, wie eigentlich jedes Kind hab ich das nicht gemocht.

3. Welchen Drink hast du am meisten bereut?

Warschau 1988. Wir waren auf einer Austausch-Reise eine Woche zu Gast und jeden Abend gabs Wodka satt. Der war aber nicht das Problem. Das war der Krim-Sekt in dem Becher, der genau so aussah, wie der, aus dem ich vorher den ganzen Abend Wodka getrunken habe. Ein versehentlicher Schluck und mir war sofort klar: Das geht nicht gut aus. Ging es auch nicht.

4. Bar oder Kneipe?

Ist mir egal. Da wo es gemütlich ist und wo man in guter Gesellschaft ist.

5. Champagner oder Schaumwein?

Auch egal. Ich mag nur nicht zu süß und noch weniger, wenn's im Mund schäumt. Im Prinzip genau so wie bei Cola. Ich bin was Sekt und anderes Prickelwasser angeht einfach gestrickt. Außerdem trinke ich Sekt und Schampus eh nur wegen irgendeinem Anlass und ganz selten mal nur von mir aus.

6. Mit wem würdest du gerne trinken?

Da muss ich etwas ausholen: Ich habe gerne mal das Problem, dass ich gerade dann, wenn mir Menschen sympathisch sind oder ich sie für tolle Dinge die sie tun oder weil sie einfach so großartig sind, bewundere, sehr gehemmt bin, ihnen das zu sagen und "locker sein" ist schon gar nicht drin. Was dann gut funktioniert ist ein Glas Wein. Man sagt ja, dass Alkohol entspannt oder entkrampft - genau so ist es. Ein Glas Wein hilft mir über die ansonsten unüberwindliche Schwelle, mit dem Gegenüber ein ganz normales und unverkrampftes Gespräch führen zu können.

Also: Ausgehend davon, dass hier nach Menschen gefragt wird, die ich noch nie persönlich getroffen habe, aber es gerne mal täte würde ich gerne mal ein Glas Wein mit Jeff Bridges und Michelle Pfeiffer trinken. Am liebsten mit beiden zusammen. Ich würde auch einfach nur zuhören, wie sie sich unterhalten. Wenns etwas weniger Fanboy sein soll und mehr, weil sie mich mit immer wieder den Dingen beeindrucken, die sie tun, schreiben oder sagen oder weil ich glaube, dass sie einfach sehr coole Menschen sind: Mit Neil Gaiman, mit Anke Engelke, mit Oliver Kalkofe oder mit Laurie Penny.

7. Bei wem würdest du gerne trinken?

Wenn ich die Antworten woanders lese geht es hier um bestimmte Locations oder eben Kenner, bei denen man interessante Getränke in der Hausbar vermutet. Leider hab ich bei beidem so wenig Ahnung, dass ich das nicht beantworten kann. Wobei, nicht ganz: Bei Stefan kann man auch ganz gut Whisky trinken.

8. Wie sieht deine Hausbar aus und was ist das Kostbarste darin?

Tatsächlich habe ich einige wirklich leckere Whiskys in meiner kleinen Glasvitrine. Mit Whisky (schottisch) kenn ich mich sogar wirklich ein bisschen aus. Der kostbarste davon dürfte ein Blackadder raw cask sein. Der steht auch schon sehr, sehr lange bei mir und das Wachs um den Korken wird daher auch nur sehr selten gelöst.

9. Beschreib deine Eiswürfel.

Ganz normale Eiswürfel aus ner Plastikform. So rechteckig.

10. Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung?

Ich empfehle, dass man sich dazu an Freunde wendet, die sich damit gut auskennen. Zum Beispiel an Herrn Jahnke.

11. Wie bekämpfst du deinen Hangover?

Hab ich - zumindest wegen Alkohol - schon ewig keinen mehr gehabt. Was aber gut funktioniert ist Kaffee mit Zitrone.

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February 27 2015

Dear Mr Nimoy

Sie waren einer der Helden meiner Kindheit. Ich liebte Raumschiff Enterprise und zwar wegen Ihnen. Ihre Figur Spock war - und das wurde mir erst sehr spät bewusst - für mich ein Role Model im besten Sinne: Sie verstanden viel von Dingen, Prozessen, Zusammenhängen und wenig von dem, wie sich die Menschen um Sie herum verhielten. Aber Sie stellten sich nie arrogant über andere, was ja schnell passieren kann. Sie zeigten mir, dass Freundschaften, Respekt, Akzeptanz und Toleranz auch gelebt werden können, wenn man Schwierigkeiten hat, die Umgebung zu verstehen oder wenn die Umgebung Schwierigkeiten hat, Sie zu verstehen. Das ist eine unglaubliche Leistung, die Sie als Schauspieler abgeliefert haben und ich glaube, dass Sie selbst das auch erst später und im Nachhinein bemerkt haben.

Ich habe von dem, was Sie jenseits von Star Trek als Schauspieler gemacht haben, nicht mehr viel mitbekommen. Aber gerade in den letzten zehn Jahren sind sie mir wieder Nahe gekommen, denn Sie haben das Internet für sich entdeckt und in den letzten Jahren vor allem Twitter und Youtube genutzt, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Und sie haben ganz in Ruhe Ihr Weltbild gezeigt: Es ging immer um Genau dieselben Themen, die schon damals wichtig waren: Freundschaft, Respekt, Akzeptanz und Toleranz. Und zusätzlich um Geduld und Optimismus.

Ihr letzter Tweet strahlt auch das alles wieder aus und ich werde mich daran halten. Einerseits die wertvollsten, perfekten Momente in guter Erinnerung zu halten, aber ihnen auch nicht nachtrauern. Es kommen neue. Dennoch, heute trauere ich ein wenig und erinnere mich gerne an Sie.

LLAP

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February 25 2015

Glückwunsch, herzlichen.

Heute ist also, ich weiß aber nicht, weil ich zu faul bin, obwohl ich weiß dass ich das eigentlich, weil ich ja gerne auch Quellen für Themen, in denen ich mich nicht so gut wie ich müsste, um wirklich sinnvoll mitzureden, auskenne, checke, müsste, nachzusehen, aus welchem Grund, der Tag der Schachtelsätze.

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February 21 2015

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Historically Accurate Disney Princesses

February 15 2015

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Elite: Dangerous - Das Tagesgeschäft

January 30 2015

Wie schafft man neue Narrative und Argumentationen?

Jetzt hab ich doch was für die re-Publica eingereicht. Meine ursprüngliche Idee, mal aufzuzeigen, wie exakt und vollständig Tracking heutzutage schon funktioniert - war leider zu ambitioniert, das verständlich aufzubereiten hab ich mir am Ende nicht in der notwendigen Detailliertheit zugetraut. Aber mich treibt in letzter Zeit - vor allem durch viele Diskussionen rund um Pegida und Charlie Hebdo - ein anderes Thema um, nämlich die Hysterisierung und Entsachlichung von Argumentationen und dass es Zeit ist, gegen die neue Welle des Überwachungswahns endlich mal Narrative zu entwickeln, die wirklich greifen können.

Kurzthese:

Die Kommunikation in diesen Tagen ist oft geprägt von ungünstigen Kommunikationsprinzipien: Grundsätzliche Polarisierungen und Formulierungen als entweder/oder Entscheidungen blockieren schon im Ansatz eine pluralistische Meinungsvielfalt, verhindern Dialogmöglichkeiten und Konstruktivität. Ich stelle Ansätze vor, Narrative zu entwickeln, die diese Fehler nicht machen: Z.B wie erkläre ich, dass Internetüberwachung jeden Menschen angeht? Wieso ist "und" stärker als "oder"? Wie formulieren wir Ziele, die nicht mit "Gegen" anfangen oder mit "verhindern" aufhören?

Beschreibung:

Die Kommunikation in diesen Tagen ist oft geprägt von ungünstigen Kommunikationsprinzipien: Grundsätzliche Polarisierungen und Formulierungen als entweder/oder Entscheidungen blockieren schon im Ansatz eine pluralistische Meinungsvielfalt, verhindern Dialogmöglichkeiten und Konstruktivität. Natürlich ist da eine Absicht dahinter, denn die Idee ist natürlich, Alternativlosigkeit herzustellen und das geht am einfachsten, wenn es nur eine gute und eine schlechte Möglichkeit gibt, ein Problem zu lösen. Aber es spaltet, denn eine Partei muss dann immer vollständig verlieren.

Ein weiteres Problem für Narrative - speziell wenn es um Überwachung geht - stellt die Fokussierung auf einzelne Medien ("Betrifft nur eine Minderheit. Ich schreibe eh nur 3 E-Mails im Jahr"), technische Details ("Deep Packet Inspection? Kapiert doch eh keiner und ist doch nur Nerdkram.") oder extreme Einzelfälle ("Du willst also Terroristen und Kinderschänder einfach frei rumlaufen lassen?") dar: Das verstellt den Blick aufs Wesentliche: Es geht doch darum, dass wir nicht mehr miteinander reden können, ohne dass jemand zuhört.

Ich stelle Ansätze vor, Narrative zu entwickeln, die diese Fehler nicht machen: Z.B wie erkläre ich, dass Internetüberwachung jeden Menschen angeht? Wieso ist "und" stärker als "oder"? Wie formulieren wir Ziele, die eben nicht mit "Gegen" anfangen oder mit "verhindern" aufhören (und warum sollten wir darauf achten)?

Auch Argumente werden auf verschiedenste Weise entwertet, verdreht oder emotionalisiert: Wenn Politiker z.B. sagen "Wir müssen die Ängste ernst nehmen!" tun sie genau das Gegenteil, weil sie damit sachliche Kritik in eine irrationale Emotion verwandeln. Diese und weitere Standards der Diskussionsvermeidung will ich vorstellen und auch Vorschläge machen, darauf zu reagieren. Und zu zeigen, dass das umgekehrt auch gut funktionieren kann.

Anmerkung:

Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, das auch als Panel zu machen, habe aber noch niemanden angefragt (Die Idee kam mir gerade erst beim schreiben). Als TeilnehmerInnen würden mir beispielsweise spontan Anne Roth (als Expertin zum Thema Netzpolitik, Privacy, Überwachung) und Katharina Nocun (die mir im LNP-Podcast das erste Mal wirklich verdeutlicht hat, wo bei TTIP die Probleme liegen) einfallen. Maha würde auch zum Thema passen, wenn es um rethorische Spitzfindigkeiten geht und darum, wie man die kontern kann.

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January 22 2015

Totalüberwachung: Warum der Kampf gegen Verschlüsselung ein gutes Zeichen ist

Vor einiger Zeit geisterte das Narrativ durch die Netzwelt, die Snowden-Enthüllungen hätten ja nichts geändert. Ich hatte daraufhin ein anderes Bild aufgemacht: Nur weil es keine allgemeine Empörung gibt, heißt das nicht, dass nichts passiert. Es heißt erst mal nur, dass das Thema sich nicht für eine plötzliche allgemeine Empörung eignet.

Meine Vermutung war, dass sich Bewusstsein langsam aber stetig seine Bahn in die weniger netzaffinen Bereiche der Gesellschaft bahnt (und daher auch keine allgemeine Empörung zu sehen war). Ich merkte an, dass EntwicklerInnen und IngenieurInnen schon begonnen hatten, ihre Apps, Dienste und Hardware sicherer zu machen und dass Cryptografie nicht als Add-On sondern als Standard in neuen Produkten und Diensten erwartet und auch geliefert wird. Und dass das nur etwas Zeit benötigen wird, denn sowas wird ja nicht von einem Tag auf den anderen fertig. Aber wenn sogar der unsicherste und dennoch verbreitetste Messenger WhatsApp Verschlüsselung einführt und ausbaut, dürfte klar sein, dass wir uns bei der Anforderung, dass unsere private Kommunikation wieder vertraulich zu sein hat, nicht in einer Nische befinden.

Der Artikel ist vom 3. Juli. Das was ich darin beschreibe, war meiner Meinung schon sehr sichtbar, aber konkrete Wirkungen eventuell noch nicht. Jetzt aber sind sie es auch. Indirekt.

Der Britische Premierminister Cameron verlangt das Verbot von Verschlüsselung. Barak Obama laviert sich zu einer ähnlichen Aussage. Heute nun kommen auch unsere deutschen Minister mit der Forderung daher, dass "Sicherheitsbehörden" (also Geheimdienste), Verschlüsselungen umgehen können müssen.

Was sagt uns das?

Zunächst mal was Gutes, nämlich: Die Geheimdienste, die Jahre lang jederzeit auf unsere Kommunikation zugreifen konnten, geht inzwischen offenbar schon so viel davon durch die Lappen, dass sie sich genötigt fühlen, bei ihren Dienstherren zu quengeln. Weiter noch: Wenn es jetzt schon so weit ist, dass man nach gesetzlichen Regelungen sucht, um Verschlüsselungen verhindern oder umgehen zu können, dann ist die "Aufrüstung" von uns BürgerInnen schon so weit gediehen, dass der technische Aufwand, unsere Kommunikation doch wieder irgendwie einzufangen, zu hoch ist, um das ohne Gesetze zu stemmen.

Es ist auch deswegen ein gutes Zeichen, weil erstens noch lange nicht jeder verschlüsselt und wir zweitens noch lange nicht am Ende der technischen Möglichkeiten sind, um Geheimdienste daran zu hindern, uns abzuhören. Und doch ist schon jetzt der Moment erreicht, an dem sie Schwierigkeiten bekommen.

Wie panisch man da wohl ist, zeigt sich auch an der löchrigen Argumentation, die zurechtzulegen man sich - um den Anschlag in Paris als Fahrwasser nicht zu verschenken - offensichtlich so beeilt hat, dass man den Widerspruch nicht mal versucht hat zu kaschieren, der sich aus der Behauptung ergibt, dass man ja Abhörmaßnahmen nur mit strengen richterlichen Auflagen und im Extremfall durchführen will, während ja jeder weiß, dass sie uns doch schon längst und jetzt gerade ganz ohne irgendwelche Legitimation abhören.

Die Logik wird ab diesem Punkt auch nicht mehr schlüssiger, im Gegenteil: Wer wirklich übles vor hat - und darum ginge es ja nur: absolute Extremsituationen - wird abhörbare Kommunikationsmedien einfach von vorneherein gar nicht erst verwenden oder sich einen Teufel um gesetzliche Vorgaben scheren und seine Kommunikation eben doch ordentlich verschlüsseln. Das heißt im Effekt, dass die Komplettüberwachung am Ende jeden Menschen überwacht, nur nicht die, zu deren Überwachung das alles angeblich gemacht wird.

Ich glaube daher, dass es für uns alle wichtig ist, den beschrittenen Pfad weiter zu verfolgen:

1. Es als Selbstverständlichkeit zu betrachten und zu propagieren, dass Verschlüsselung benutzt wird wenn immer das möglich ist.

2. Bei der Auswahl von Tools, Apps, Services immer diejenigen zu bevorzugen, die die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer und ihrer Daten Ernst nehmen und für die entsprechende Standards selbstverständlich sind.

3. Bei der Entwicklung von neuen Tools und Produkten schon von Beginn an für sichere Verbindungen und Schutz davor, ausspioniert zu werden zu sorgen, so dass das nicht nachträglich langwierig umgebaut werden muss oder Nutzer erst noch eigene Maßnahmen drumherumbauen müssen, damit sie ihre Privatsphäre behalten.

Eine Bitte an Journalisten: Wenn ihr die Gelegenheit habt, mal einen dieser Herren, die da gerade rund gehen, eine Frage zu stellen, dann stellt ihnen bitte mal diese:

"Vor über einem Jahr, als bekannt geworden ist, dass uns die US und UK-Geheimdienste abhören und unsere Geheimdienste ihnen dabei helfen, haben sie gesagt, der Bürger müsse sich selbst darum kümmern, dass seine Kommunikation verschlüsselt wird. Jetzt tut er genau das und nun wollen Sie Verschlüsselung verbieten oder unterlaufen. We Te Eff, Herr Minister?"

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